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DATUM: Saturday, 30.10.2010,  19:00 Uhr !
ORT: Heinrich-Fries-Haus; Bahnhofstr. 13; Heilbronn

"Große Bordeaux Probe - Frankreich Teil 2"

Wir verkosten große Bordeaux-Gewächse div. Jahrgänge und lernen dabei das „Mekka der Weinwelt“ und Ziel vieler Weinliebhaber, das Bordelais, (etwas) kennen.

 

                                                            Große Weine aus Bordeaux
                         Benefizweinprobe der Weinbruderschaft Heilbronn e.V. am 30.10.2010
                                                         präsentiert von Eberhard Bauer.
Nachdem „Frankreich“ das Schwerpunktthema des Probenjahres 2010 ist, drängt es sich schon fast auf, für eine besondere Probe, wie sie die Benefizprobe immer ist, das Thema „Bordeaux“ auszuwählen. Und wer außer unserem „Bordeaux-Spezialist“ Eberhard Bauer hätte diese Probe kompetenter halten können? Auf diese Weise erlebten wir einen spannenden und genussreichen Abend voll interessanter Weinerlebnisse.
Das Bordelais war und ist immer im Fokus der Weinwelt, höchst qualifiziert und immer beachtet haben sich dessen Weine in den letzten Jahren vor allem zu Spekulationsobjekten entwickelt, die Preiserhöhungen betrugen teilweise bis zu 50 %. Der teuerste Bordeaux von Château Lafite Rothschild liegt derzeit im vierstelligen Bereich. Andererseits gibt es aber auch Erzeuger, die um ihre Existenz bangen müssen.
Erster Wein, der probiert wurde war der Château Puygueraud AC Côtes de Francs, aus dem schwierigen Jahrgang 2006, der zu einem Drittel in neuen Barriques ausgebaut wurde, fruchtig nach Kirsche in der Nase duftete und auch so schmeckte. Bei den Rebsorten überwiegt im Bordelais der Cabernet Sauvignon, aber auch im Médoc nimmt der Anteil an Merlot zu, da diese Rebsorte schneller reift, weicher und voluminöser ist. Cabernet Franc ist ebenfalls weicher und von tiefroter Farbe. Die Bezeichnung „Bordeaux“ kommt vom keltischen „Bodigada“, die Stadt wurde schon vor der Römerzeit gegründet und ist ideal an der Wasserstraße gelegen. Der 2005er Château Pontoise Cabarrus wirkte durch einen höheren Anteil an Cabernet Sauvignon dicht, kräftig und bereits trinkreif. Viel weicher durch einen hohen Anteil an Merlot, der für die Weine aus St. Emilion typisch ist schmeckte der 2005er Château Soutard, Grand Cru Classé AC Saint-Emilion, der an dunkle Beeren und Backpflaumen erinnerte. Deutlich gealtert war der 1998er Château Gazin AC Pomerol, den man vielleicht schon früher hätte trinken sollen. Doch auch die Weine vom linken Gironde-Ufer scheinen nicht von unbegrenzter Lagerdauer zu sein und so wies der 1995er Domain de Chevalier, Grand Cru Classé, AC Pessac Leognan dieselben Charakteristika auf. Wie viel lebendiger wirkte dagegen der 1996er Château Chasse Spleen, AC Moulis, dem von der Fachliteratur ein Potential bis 2018 zugesprochen wird! Die Klassifikation der Bordeaux wurde 1855 von Napoleon dem III veranlasst und so gehörte auch Margaux zu den besten. Der 94er Château Marquis de Terme ist ein 4e Cru Classé AC Margaux, dies macht natürlich den Abstand zur Spitze, der sich in einer gewissen Eindimensionalität äußert, schon schmeckbar. Eine Klasse höher, 3e Cru Classé AC Margaux trinkt sich der 1996er Château Cantenac Brown schon wesentlich balancierter, runder mit langem Abgang, während der Château Branaire-Ducru 4e Cru Classé AC St. Julien des gleichen Jahrgangs noch eleganter daherkommt. Fünft- klassifizert, doch die Verwandtschaft zu den Rothschild’ s deutlich wahrnehmbar, so präsentiert sich der 1996er Château Clerc Milon AC Pauillac mit ansprechender jugendlicher Frische und dem langen Abgang eines großen Weines. Zweigeteilt waren die Meinungen über den 1995er Château Pichon Longueville Baron 2e Cru Classé AC Pauillac, da sich wohl die beiden Flaschen unterschiedlich entwickelt hatten und so kein eindeutiges Urteil möglich war. Die Bordeaux aus St. Estèphe sind als recht langlebig bekannt, der 1993er Château Montrose 2e Cru Classé wies vor allem Kräutertöne auf und hatte nur noch einen kurzen Abgang, was darauf hindeutete, dass seine optimale Trinkreife wohl überschritten ist.
Auch die Süßweine aus dem Bordelais sind klassifiziert und zum krönenden Abschluss dieser Probe wurden zwei Süßweine zweiter Klassifikation AC Barsac verkostet: 1997er Château Broustet der nicht zu süß schmeckte und an Mango, Quitte und Aprikosen erinnerte und Château Doisy-Daene der blumiger, frischer und fruchtiger schmeckte.
Eine hochinteressante Probe hervorragender Weine ging viel zu schnell zu Ende. Herzlichen Dank an Eberhard Bauer für die kompetente Zusammenstellung und Kommentierung.
Regina Brendle, November 2010

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