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DATUM: Wednesday, 08.12.2010,  19:30 Uhr
ORT: Heinrich-Fries-Haus; Bahnhofstr. 13; Heilbronn

"Die Weine aus dem Rhone-Tal -
Frankreich Teil 4"

Hermitage, Châteauneuf-du-Pape, Gigondas lassen jedes Weinherz höher schlagen. 
Ein würdiger Abschluss unseres „Frankreich-Jahres“.

 

Die Weine aus dem Rhône-Tal
präsentiert am 8. Dezember 2010 von Wolfgang Heinrich und Regina Brendle
In der letzten Probe des Jahres 2010 nahmen Wolfgang Heinrich und Regina Brendle die Mitglieder der Weinbruderschaft mit auf eine Weinreise entlang der Rhône, an deren Ufern sich die Berühmtheiten der französischen Weinwelt wie Crozes-Hermitage, Hermitage, Gigondas und Châteauneuf-du-Pape aneinanderreihen wie die Perlen an einer Kette. Die Rhône ist möglicherweise die älteste Weinbauregion Frankreichs. Schon griechische Händler und Siedler, die um 600 vor Chr. Marseille gründeten, erkannten, wie gut sich die Gegend für den Anbau von Reben eignete. In der Periode des päpstlichen Exils erlebt der Weinbau einen neuen Aufschwung.
Das Gesamtanbaugebiet Rhône umfasst heute ca. 75.000 ha, davon 15.000 ha Randgebiete. Ein weiterer Hauptgrund zum Anbau von Reben war es, als 1956 durch den Mistral, der fast 3 Wochen lang mit Geschwindigkeiten von über 100 km/h blies und dabei Temperaturen von – 15 ° C erreicht wurden, fast sämtliche Olivenbäume erfroren, die Reben aber dem Frost recht gut widerstanden.
Die Probe begann mit einem 2008er Crozes-Hermitage blanc Domaine Pradelle. Der Ausbau der Weine ist in Betoncuven (gute Termperaturführung), danach in großen Holzfässern. Die ältesten weißen Reben sind aus dem Jahr 1949. Crozes Hermitage blanc: 90 % Marsanne (Nase Akazien, Quitte, Apfel, bei reiferen Jahrgängen Mandel und Honig), 10 % Rousanne (gibt Finesse, Aprikose und Weißdorn), Ertrag 40 hl/ha.
Die Côtes-du-Rhone-Weine sind unterschiedlich klassifiziert: Es gibt 17 Crus, die Côtes du Rhône Villages erstrecken sich über 90 Kommunen, von denen 18 ihre Namen auf die Etiketten schreiben dürfen, die Appellation Régionale Côtes du Rhône verteilt sich auf 171 Gemeinden in 6 Departments; Gesamterntemenge war 2009: 2,8 Mill. hl. Anteil Rotweine: 94 %, Weiß- und Roséweine jeweils 3 %. 61 Genossenschaften erzeugen 70 %, 1500 Privatbetriebe 30 % der Gesamtproduktion, Gesamtumsatz pro Jahr: 1 Milliarde €.
Eine weiße Rarität war der 2008 er Châteauneuf-du Pape blanc, Château Mont Redon.
Château Mont-Redon gehört schon seit längerem zu den Klassikern der Appellation, wurde in Dokumenten von 1334 zum ersten Mal erwähnt und gehörte damals der Kurie.
Rebsorten sind 30 % Clairette, 40 % Grenache blanc, 15 % Bourboulenc, 10 % Roussanne, 5 % Picpoul. Nase: helle Früchte, Geschmack: Zitrusnoten, sehr ausbalanciert zwischen Säure und Substanz.
Ein Klassiker, den man an der Rhône probiert haben muss ist der Condrieu. Der 2008er Condrieu “La Solarie”von Gilles Barge ist zu 100 % aus Viognier, cremig mit Geschmack von Pfirsich und Aprikosen, die Hälfte des Weines wurde in Eichenholzfässern ausgebaut. Gilles Barge ist Präsident der lokalen Winzervereinigung in Ampuis und in der Familie wird seit 1860 Weinbau betrieben.
Überleitung zu den Rotweinen war der 2009er Tavel, Château d’ Acqueria. Tavel war die erste Appellation die ausschließlich für Rosé eingerichtet wurde. Château d’ Acquéria gehört zu den Pionierbetrieben der großen Rosés. Dort wird er wie ein Rotwein verarbeitet, natürlich mit kürzerer Standzeit, was ihm viel Substanz, Körperreichtum und kräftige Farbe verleiht sowie komplexe Fruchtnoten (Erdbeer, Himbeer) und einen langen Abgang. Rebsorten sind: 52 % Grenache, 12 % Syrah, 11 % Mourvèdre, 9 % Clairette, 9 % Cinsault, 6 % Bourboulenc, 1 % Picpoul.
Würdige Einführung in die Rotweine der Rhône war der 2006er Crozes-Hermitage “Domaine de Thalabert”von Paul Jaboulet Aîné. Bei Paul Jaboulet Aîné hat man seit 1834 Weinbau in der Familie.
Domaine de Thalabert ist eine Einzellage von 40 ha, die seit 1834 im Besitz der Familie Jaboulet ist, die Böden sind kiesig, Ertrag 38 hl/ha, 40-60 Jahre alte Reben 100 % Syrah, Barriqueausbau. Intensive Aromatik von reifen Früchten (Schwarzkirschen) mit dezenten Gewürznoten, reife, strukturierte Tanine.
Keinen Vergleich mit seinem Vorgänger musste der 2007er Côte Rôtie, Côte Brune der Domaine Gilles Barge scheuen. Die Côte Rôtie umfasst 235 ha und teilt sich auf in Côte Blonde und Côte Brune. Die Bezeichnungen stammen von Maugiron, dem ersten Lehnsherrn von Ampuis unter Henri III. Er hatte zwei Töchter, eine blonde und eine brünette. Für Barge ist die Côte Brune die bessere der beiden Lagen des Gebiets – der Grund sind die mageren, schottrigen Böden, die farbintensive, tanninbetonte Weine hervorbringen.
Ebenfalls aus 100 % Syrah präsentiert er sich als sehr konzentrierter und eleganter Wein, kräftig, samtig, sehr komplex, aromatisch und lange lagerfähig.
Danach verließ man die nördliche Rhône und fuhr Richtung Süden, wo rote Cuvées an Bedeutung gewinnen.
Die erste Station ist Beaumes-de-Venise, dort war Tag des offenen Kellers und ein Mitglied der Weinbruderschaft von Beaumes-de-Venise hatte einen Geheimtipp für die Weininteressierten:
Den 2007er Les Garrigues d’ Eric Beaumard .
Der Winzergenossenschaft von Beaumes-de-Venise zollen selbst die besten Winzer der Region Hochachtung! 180 Winzer produzieren auf 1.300 ha insgesamt 55.000 hl pro Jahr. Eric Beaumard ist Restaurantdirektor und Sommelier im Restaurant “Georges V“ im Hotel „Vier Jahreszeiten“ in Paris. Anerkannt als einer der besten seines Métiers, hat er in Beaumes-de-Venise seine eigene Cuvée zusammengestellt aus dem Ertrag von Weinbergen oberhalb von Beaumes-de-Venise in Suzette 70 % Grenache, 30 % Syrah, in Betoncuven, nur 10% im Barrique ausgebaut. Er überzeugt durch kräftige Nase, dunkle Früchte, florale Aromen, Flieder, langem Abgang, haltbar 4-6 Jahre.
Ein Weinort, der unbedingt besuchenswert ist, ist Gigondas und von dort probierten wir den 2007er Gigondas Signature, Cave de Gigondas. Der Name des Ortes leitet sich ab vom lateinischen „iucunditas“ – Annehmlichkeit, Liebenswürdigkeit. Die Winzervereinigung liegt am Rande des mittelalterlichen Dorfes Gigondas, einer Cru-Lage der Rhône gegenüber den Dentelles de Montmirail. Seit über 50 Jahren produzieren 60 Winzer, bei 2.800 Sonnenstunden pro Jahr einen Höchstertrag von durchschnittlich 36 hl/ha. Gigondas Signature wurde ausgebaut in großen Holzfässern, 80 % Grenache, 20 % Syrah. Rund, reif, rote Früchte, dunkle Schokolade. Direkt verglichen wurde der Wein mit dem 2007er Gigondas Domaine Clerc, Cave de Gigondas. Was bei uns unmöglich wäre ist in Gigondas durchaus machbar. Der Wein eines einzelnen Winzers, nämlich der Domaine Clerc wurde separat ausgebaut. Die Weinberge liegen auf 400 m Höhe, 70 % Grenache, 30 % Syrah. Granatrote Farbe, in der Nase dunkle Früchte und Kräuter, reife Kirschen und Brombeeren im Geschmack, Trüffel.
Von einer weiteren bekannten Domaine kam der 2005er Cuvée Casa Bassa Rouge der Domaine Cabasse in Séguret. Die Domaine de Cabasse wird von der Familie Haeni aus Zürich seit 1990 geführt. Cuvée Casa Bassa Rouge: Die italienische Bezeichnung Casa Bassa bedeutet „Haus unterhalb des Dorfes“ und wurde der Domäne im 14. Jh. verliehen als die Päpste noch in Avignon residierten. Grenache 55 %, Syrah 45 %, Rebstöcke sind bis zu 50 Jahre alt. Maischegärung 14-18 Tage, Ausbau in französischen Allier-Eichenholzfässern 12 Monate, danach Edelstahl 18-20 Monate. Tiefrote Farbe mit violetten Reflexen, Aromen von roten und dunklen Früchten, Pfeffer. Vollmundig, rund, elegant.
Sehr konzentrierte Weine gibt es von der Domaine La Soumade in Rasteau, von der die 2007er Cuvée Prestige angestellt wurde. André Romero gehört zu einem der Pioniere dieses Gebiets und die Domaine de la Soumade befindet sich inmitten der besten Lagen der südlichen Rhône. Die Cuvée Prestige wird vom Guide Hachettte oft mit 3 Sternen und einem Coup de Coeur bewertet. Rebsorten sind 70 % Grenache, 20 % Syrah, 10 % Mourvèdre, Reben sind zwischen 20 und 40 Jahre alt. Farbe ist purpurrot bis schwarz, Wein ist sehr reichhaltig, saftig, dicht, Schwarzkirschen, Brombeeren, Heidelbeeren, hat noch Lagerpotenzial von bis zu 10 Jahren.
Zu den bekanntesten Klassikern aus dem Rhônetal gehören die Weine aus Châteauneuf-du-Pape, dem trockensten Abschnitt im Rhônetal, und so wurden zunächst zwei Weine gleichen Jahrgangs von verschiedenen Erzeugern verglichen:
Der 2005er Châteauneuf-du-Pape, Domaine St. Laurent (vigneron indépendant).Die Familie betreibt seit 5 Generationen Weinbau und belieferte schon die Päpste von Avignon mit Messwein. Maischevergärung 7-21 Tage, Grenache 80 %, Syrah 20 %, Ausbau im Barrique 20 %. Volumenreicher Wein, angenehme Säure.
Der 2005er Châteauneuf-du-Pape, Château Mont Redon hat als Rebsorten: 65 % Grenache, 15 % Syrah, 10 % Mourvèdre, 5 % Cinsault, restl. 5 %:  Counoise, Muscardin, Vaccarèse und Terret noir. Rauchige Noten und Kirschen im Bouquet, Kirschen dominieren, gut eingebundenes Holz. Im Mund viel Kraft, Fülle, Volumen,
reife Waldbeeren, sehr gut eingebundene Tannine und langen Nachhall mit Zartbitternoten. Sehr gelungen. (86 Pkte bei Eichelmann im Jahr 2008).
Als letzten Rotwein probierte man noch einen 2001er Châteauneuf-du-Pape, Château Mont Redon, der reifer wirkte als sein Vorgänger und offensichtlich seinen Höhepunkt schon überschritten hatte.
Zum krönenden Abschluss luden Wolfgang Heinrich und Regina Brendle noch zu einem Dessertwein ein, einem 2007erMuscat de Beaumes-de-Venise der Domaine de Durban. Einzige Rebsorte ist der „Muscat à petits grains“ (kleine Beeren), Alter der Reben: 25 Jahre, Ertrag 30 hl/ha. Klassische Vinifizierung in Edelstahl bei 15 ° C, Zufuhr von 7-10 % neutralem Alkohol um die Gärung zu stoppen bei einer Dichte von ca. 1.050, damit Minimum 110 g Zucker pro Liter Traubensaft bleiben. Vin doux naturel, Lagerkapazität 20 Jahre, passt zur Foie gras genauso wie zu Desserts. Ein Süßwein voller Finesse, delikat, einer der besten Süßweine dieser Region.
Erwähnenswert ist noch, dass Wolfgang Heinrich und Regina Brendle alle angestellten Weine in den Betrieben probiert und im Dialog mit den Winzern ausgewählt hatten, was auch an der Qualität der Probe spürbar wurde. Umrahmt wurde dies durch Photos aus der Region und die süße Dekoration mit Valrhona-Schokolade.
Regina Brendle, Dezember 2010

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