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DATUM: Wednesday, 21.09.2011,  19:30 Uhr
ORT: Heinrich-Fries-Haus

"Frankreich Teil II"

„Zum Abschluss unseres Themas „Frankreich“ wollen wir Weine aus den weniger bekannten Anbaugebieten ‚Jura‘ und ‚Savoyen‘ kennen lernen.

 

                                              

                                                 Weine aus Savoyen und aus dem Jura
                           präsentiert am 21.09.2011 in der Weinbruderschaft Heilbronn e.V.
                                            von Wolfgang Heinrich und Regina Brendle


Die Präsentation der Weine aus Savoyen und dem Jura begann mit einer Warnung: „Vergessen Sie alles, was Sie bisher über französische Weine wissen, denn sowohl Savoyen als auch der Jura sind eine Weinwelt für sich“, sagte Wolfgang Heinrich. Autochthone Rebsorten, kleine Parzellen, Mikroklimate und ausgefallene Ausbaumethoden prägen die Weine dieser Regionen. „Bedenkt man, dass der Jura unmittelbar östlich des Burgunds liegt, könnten die Weine nicht unterschiedlicher sein.“

Doch zum „Eingewöhnen“ gab es zunächst 2 ansprechende Crémants du Jura der Domaine Faudot, die auch internationalen Standards entsprechen könnten. Seit seiner Kreation im Jahre 1995 macht der Crémant du Jura mehr als ein Viertel der AOC-Gesamtproduktion dort aus Dann widmeten wir uns dem Weinanbaugebiet Savoyen, welches das älteste urkundlich belegte Weinbaugebiet Nordgalliens ist, denn es war zum Teil das Land der keltischen Allobroger. Im Verlauf des 1. Jahrhunderts hatten die Kelten eine neue Rebe, die „Vitis allobrogica“ selektioniert, die den klimatischen Ansprüchen dieser Region standhalten konnte. Durch das gebirgige Terrain und die komplexe Geologie bleiben dem Weinbau nur wenige „Insellagen“, die aus kalkreichem Gletscherschutt und Geröll bestehen. Der Hauptanteil ist Weißwein, es gibt auf ca. 1.700 ha Reben. Savoyen bleibt eine einmalige Tradition in der französischen Weinwelt, zumal die Lagen bis 850 m Höhe reichen und somit die höchstgelegenen Weinberge Frankreichs sind.
Die ersten beiden Weißweine waren Chignin Bergerons, ein 2010er von Jean Perrier et fils und ein 2009er aus Apremont. Der Wein ist zu 100 % aus der Rebsorte Roussanne, sie ist eine sensible Rebsorte, reift spät, hat kleine, zylindrische Trauben mit goldenen, fast rötlichen Beeren. Ihr gefällt es sehr auf den steinigen Geröllböden von Chignin. (Gegend um Chambéry). Während der Wein von Jean Perrier et fils elegant mit fruchtig mineralischen Noten war, schmeichelte der Chignin Bergeron mit feinen Aromen von Aprikose und Mango. Eine weitere Rarität war der 2007er Rousette de Marestel der Domaine Dupasquier aus der Rebsorte Altesse, welche westlich des Lac du Bourget gedeiht und dort geschmeidige Weine von goldener Farbe mit komplexem floralem Duft hervorbringt.
Die vermutete „Vitis allobrogica“ ist wohl die Mondeuse, die aus dem Jahrgang 2007 von der Domaine Dupasquier probiert wurde, deutlich taninhaltig und würzig mit Geschmack nach roten Früchten ist. Es wird vermutet, dass Gamay und Pinot noir Mutationen alter Rebsorten aus Savoyen sein könnten und dass die Mondeuse, die „Mutterrebe“ des Syrah ist.
Die Weine des Jura werden schon von Plinius dem Jüngeren im Jahr 80 n.Chr. erwähnt. 1936/37 erhält der Jura 4 geographische AOC-Appellationen: Arbois, Château-Chalon, l’ Etoile und Côtes du Jura. Arbois, entstanden aus dem keltischen „ar“ und „bos“, was soviel heißt wie fruchtbare Erde, war die erste französische AOC-Appellation überhaupt. Des Weiteren verfügt der Jura über 2 „Produkt-AOC’s“: Macvin du Jura und Crémant du Jura.
Einer der bekanntesten Söhne des Jura ist Louis Pasteur (1822-1895), der 1886 seine Studien über den Wein, seine Krankheiten und deren Ursachen sowie neue Verfahren um ihn zu konservieren und altern zu lassen veröffentlichte.  Pasteur wird als der Vater der modernen Önologie angesehen.
5 Rebsorten sind typisch für den Jura: Savagnin und Chardonnay als weiße, Trousseau, Poulsard und Pinot noir als rote Rebsorten.
Erster zu probierender Rotwein war ein 2009er Cépage Poulsard (vieilles vignes), der Dom. Faudot.
In der Familie Faudot gibt es Weinbau seit 1879, auch in heutiger Zeit wird die Weinbautradition auf 12 ha Rebfläche weitergeführt, Auszeichnungen und Medaillen erhält die Familie regelmäßig. Der Poulsard hat eine rubinrote Farbe mit Orangetönen. Er ist eine typische Jurarebsorte, die seit dem 15. Jh. bekannt ist. Geschmacksnoten erinnern an Unterholz und sind rauchig, das Bukett von roten Johannisbeeren und Waldbeeren ist typisch.
Eine weitere rote Rarität war der 2007er Arbois Trousseau der Domaine Jacques Tissot, der sein Weingut im Jahr 1962 gegründet hat und um die Verbindung von Tradition und Moderne sehr bemüht ist. Man vermutet, dass der Trousseau aus dem Comté kommt, bekannt ist er seit dem 18. Jh. Ihn zeichnen intensive Rottöne, Finesse, Kraft aber auch Robustheit aus. Die Trauben sind fast zylindrisch, von mittlerer Größe und fast schwarzer Farbe und ergeben einen tanninhaltigen, lagerfähigen Wein mit Aromen von Erdbeere und Himbeere und ein kraftvolles Bukett (Gewürze: Pfeffer, Muskat). Eine Verbindung dieser Rebsorten (Trousseau, Poulsard und Pinot noir) war die 2007er Rouge Tradition der Dom. Faudot mit frischen Kirschnoten in der Nase, die sich im Abgang bestätigen und ihn zum filigranen, frischen Wein machen.
Waren die Rotweine schon ein Welt für sich, so sind die Eigenheiten der Weißweine doch äußerst interessant: Der 2008er Cotes de Jura Savagnin nature der Dom. Berthet Bondet ist ein nicht oxydativ ausgebauter Wein der Rebsorte Savagnin. Der Ursprung des Savagnin ist nicht genau bekannt, er könnte aus Österreich oder Ungarn kommen. Während der Kreuzzüge wurde er von ungarischen Geistlichen den Nonnen von Château-Chalon geschickt. 22 % der Anbaufläche im Jura sind mit Savagnin bestockt. Zum Vergleich gab es einen 2007er Arbois naturé (Savagnin) der Dom. Faudot: goldfarben, grüner Apfel mit Noten von Mandeln, angenehm am Gaumen, frisch, ausdrucksvoll und anhaltend mit mineralischem Finale. Doch Savagnin kann auch oxydativ ausgebaut werden wie der 2007er Cépage Savagnin, der Dom. Faudot, der 3 Jahre im Holzfass war und intensiv nach Vanille und Honig schmeckt mit Rauchnotenversehen; ein reichhaltiger Wein, harmonisch mit langem Abgang.
Eine Spezialität im Jura ist der „Vin jaune“, der ausschließlich aus Savagnin gewonnen wird. Er muss laut Gesetz 6 Jahre und 3 Monate im Holzfass lagern, dabei wird nichts nachgefüllt und die dabei entstehenden Hefen, der sogenannte „Voile“ geben ihm seinen speziellen Geschmack. Die noch übrig bleibende Menge entspricht genau dem, was in die Clavelin-Flasche abgefüllt wird, nämlich 62 %, also 620 ml. Dieser Wein kann über 100 Jahre alt werden. Man genießt den Wein bei Zimmertemperatur, zu Käse, Nüssen oder auch zu Gerichten mit Geflügel. Geschmacksnoten: Nüsse, Mandeln, Gewürze. Der „Clavelin“, die Flasche des Vin Jaune war 1973 von der EU bedroht, als ein Gesetzentwurf den Inhalt aller Weinflaschen harmonisieren wollte. Bewaffnet mit 15 kg Comtékäse und 25 Clavelins aus Château-Chalon haben die Winzer des Jura dem Europäischen Parlament bewiesen, dass man Jahrhunderte von Geschichte und Tradition nicht einfach per Dekret ignorieren kann und somit wurde die Ausnahme im Jahre 1993 anerkannt. Und so verglichen wir einen 2004er Vin jaune und einen 1996er Vin Jaune der Domaine Faudot um festzustellen, wie groß das Alterungspotenzial dieser Weine ist.
Einen speziellen Genuss bot der 2007er Vin depaille der Dom. Faudot, ein „Strohwein“ dessen Ausbaumethode sehr speziell ist: Der Ertrag ist fixiert auf 20 hl/ha. Die Trauben müssen während einer Mindestdauer von 6 Wochen auf einem Strohbett trocknen – daher sein Name. Heutzutage eher Plastikgitter, da das Stroh aktuell zu kurz geschnitten ist und eine sorgfältige Belüftung der Trauben nicht mehr sichergestellt wäre und diese faulen würden. Die Vergärung dauert über 3 Jahre. Zugelassene Rebsorten sind: Poulsard, Trousseau, Savagnin, Chardonnay. Ziel ist eine natürliche Konzentration des Traubensafts. Zwischen Weihnachten und Ende Februar werden die Trauben gepresst und man erhält zwischen 15 und 18 Liter aus 100 kg Trauben. Eine natürliche Gärung gibt dem Wein zwischen 14 und 17 %  Alc. Er reift 3 Jahre in kleinen Holzfässern um seine Aromen von kandierten Früchten, Zwetschgen, Honig, Karamel und Orange zu entwickeln.
Krönender und – für manche vielleicht auch versöhnender – Abschluss der Probe war ein Macvin du Jura der Dom. Faudot. Der Macvin erhielt sein AOC 1991 und macht 4 % der Gesamtproduktion der Juraweine aus. Er ist bekannt seit dem 14. Jh. und wird aus nicht fermentiertem Traubensaft, dem man 1/3 Marc, der mindestens 18 Monate im Holzfass lagerte, hinzufügt erzeugt. Der Macvin bleibt mindestens 12 Monate im Holzfass und muss zwischen 16 und 22 ° Alk. haben, um AOC zu sein. Die 5 Jurareben Trousseau, Poulsard, Pinot Noir, Chardonnay und Savagnin sind alle für die Produktion von Macvin zugelassen. Macvin genießt man als Aperitif oder zum Dessert. Geschmacksnoten von Orangenschalen über Quitte, Dörrobst bis zu Honig.
Regina Brendle, Oktober 2011

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