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DATUM: Friday, 18.11.2011,  19:30 Uhr
ORT: Heinrich-Fries-Haus

"Die Internationalisierung klassischer Rebsorten"

Wie präsentieren sich Syrah, Cabernet Sauvignon, Merlot, Riesling u.a. außerhalb ihres Ursprunglandes? Stellv. Bruderschaftsmeister E. Bauer greift dieses Thema auf.

 

Internationalisierung klassischer Rebsorten
Wie stellt man erfahrene Weinkenner vor Rätsel und bringt sie ins Grübeln? So oder so ähnlich hätte auch das Thema der von Eberhard Bauer am 18.11.2011 zusammengestellten Weinprobe heißen können, bei der Rebsorten aus Anbaugebieten außerhalb ihres Ursprungslandes als Blindverkostung präsentiert wurden.
Beim ersten Weißwein des Jahrgangs 2009, der frisch, fruchtig und fein strukturiert war, war man sich über die Rebsorte „Chardonnay“ schnell einig, doch dass solch ein Wein aus Südtirol kommt, hätte wohl niemand geahnt. Die mineralisch oxidative Nase des nächsten Weißweines aus dem Jahre 2009 hätte wohl jeden dazu veranlasst, diesen Wein als einen Moselriesling zu identifizieren – weit gefehlt, auch in Neuseeland wird Riesling angebaut! Weniger deutlich, da doch recht untypisch vom Geschmacksmuster her waren der 2009er Sauvignon blanc aus Venetien, den ein „Muffton“ entstellte und der 2010er Sylvaner Reserve aus dem Elsaß, dessen hoher Säuregehalt kaum weitere Aromen mehr erkennen ließ. Interessant beeindruckte der nächste Weißwein des Jahres 2010 durch einen Duft nach weißen Blüten, Tiefe, und leichtem Pfefferton, der auf einen grünen Veltliner schließen ließ – nicht aus dem Kamptal, sondern aus der Pfalz vom Weingut Gerhard Klein. Die österreichische Weinzeitschrift „Käptn Kork“ hatte diesen Wein bereits lobend erwähnt.
Die wichtigesten „internationalen Rebsorten“ in Deutschland sind: Chardonnay, Merlot, Zweigelt, St. Laurent und Sauvignon blanc, die insgesamt 3,2% der Anbaufläche beanspruchen. Die Rebsorten, die auf dem Rückzug sind, sind: Müller-Thurgau, Morio-Muskat und Sylvaner.
Auch im Bereich der Rotweine gibt es viele „Global Player“. Die typische „Burgundernase“ ließ keinen Zweifel über die Rebsorte des Weines des Jahrgangs 2007, doch erstaunlich, dass es so etwas auch in Portugal im Ribatejo gibt! Nach Süßkirschen und Pflaumen und recht süffig schmeckte der folgende Rotwein der sich als 2009er Malbec aus Argentinien entpuppte. Ursprünglich in Südwestfrankreich beheimatet, sind in Argentinien 24.000 ha damit bepflanzt. Etwas „französisch“ wirkte der nächste, nach Kirschen schmeckende Rotwein mit seiner eleganten Säure schon, doch wohl kaum jemand hätte geglaubt, dass er direkt am Fuße des Wartbergs vom Weingut Kistenmacher-Hengerer im Jahre 2008 dort so gekeltert wurde. Cabernet Sauvignon musste die Rebsorte des folgenden Rotweines sein, und als „global player“ wohlbekannt, lag auch die Vermutung „Südafrika“ als Herkunftsland dieses vollmundigen, körperreichen Weines des Jahrgangs 2009 recht nahe. Doch wer würde glauben, dass ein Wein, den man als Syrah trinkt und der harmonisch nach dunklen Früchten schmeckt, nicht von den Ufern der Rhône, sondern aus dem Columbia Valley im Washington State stammt? Dort scheint auch der Jahrgang 2008 gute Weine hervorgebracht zu haben. Ein Rotwein von kräutriger Nase, Geschmack nach schwarzen Johannisbeeren, nicht allzu langem Abgang gab Rätsel auf: dahinter verbarg sich ein 2006er Merlot IGT von Planeta, Sizilien. Die „südländische Herkunft“ mit Geschmack nach Amarenakirschen, Backpflaumen, ja fast Portweinton ließen den 2005er Tempranillo erkennen – dass er in der Pfalz vom Weingut Jürgen Leiner ausgebaut wurde überraschte. Geschmack nach dunklen Früchten und eine präsente Säure zeichneten den nächsten Rotwein aus – schon die Rebsorte „Lagrein“ vermutete kaum einer und umso weniger, dass dieser Wein des Jahrgangs 2008 aus der Pfalz von Egon Schmitt kommt. Italienspezialisten waren gefragt beim letzten Wein: Montepulciano oder Nebbiolo? das war die Frage. Nebbiolo war die richtige Antwort und dass es ihn auch bereits in der Pfalz bei Brenneis-Koch gibt fiel uns schwer zu glauben.
Ganz herzlichen Dank an Eberhard Bauer für die interessante Probe, die uns zeigte, wie vielfältig die Ausprägung einzelner Rebsorten sein kann einerseits, doch auch andererseits die Frage aufwarf, ob jede Rebsorte in jedes Land passt und damit die Diskussion über die Typizität der Rebsorten neu entfachte.
Regina Brendle, November 2011

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