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DATUM: Thursday, 20.09.2012,  19:30 Uhr
ORT: Heinrich-Fries-Haus

"Architektur und Wein"

Der Heilbronner Architekt Dipl.-Ing. Franz-Josef Mattes bringt uns Ideen zu neuen Weingebäuden mit Schwerpunkt Südtirol näher. Weinschwester Dr. Christina Jacob stellt uns die Weine und die Philosophie der entsprechenden Betriebe vor.

 

Architektur und Wein
Die beiden Themen „Architektur und Wein“ scheinen auf den ersten Blick nicht allzu viel miteinander zu tun zu haben, doch bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass Wein schon früher am Fuße von Burgen oder um „Châteaux“ herum angebaut wurde. Ob und in welcher Weise sich dieser Trend in heutiger Zeit fortsetzt, erfuhren die Mitglieder der Weinbruderschaft Heilbronn e.V. bei einem von dem Architekten Franz-Josef Mattes fachlich und Dr. Christina Jacob önologisch moderierten Abend am 20.09.2012.
Aufmerksamkeit wecken, Stil und Stilsicherheit beweisen, Engagement zeigen – all dies sind Ziele, die Winzer nicht nur im Wein, sondern auch an der Planung und Ausprägung ihrer Gebäude gerne widergespiegelt sehen, so Mattes. Bei einem gelungenen, schlanken 2009er Terlaner Bianco DOC Cuvée der Kellerei Terlan zeigte Mattes Architekturbeispiele aus der Region, z.B. das Staatsweingut Weinsberg oder den Winzerhof Gierer in Nonnenhorn. Südtirol verhält sich zu Baden-Württemberg in einem Flächenverhältnis von 1:20; was den Tourismus angeht, ist dieses umgekehrt proportional. Weintourismus lebt von Kundenbindung und diese fordert Aufmerksamkeit, erfuhren wir bei einem dichten 2011er Gewürztraminer DOC vom Weingut Schreckbichl in Eppan, dessen Rosencharakter bestimmt auf sich aufmerksam macht, und die Bilder der Architektur des Gebäudes des Gutes konnten dies nur unterstützen. Dass man dies in Kaltern, wo es früher „Massenweine“ gab, auch schon gelernt hat, bewies nicht nur der 2011er Muscato Giallo mit seinem feinen Bukett, auch die Kellerei Manincor ist eines der architektonischen Highlights, z.B. Betriebsgebäude, die unterirdisch in einem Berg liegen. Auch in Kaltern selbst ist es gelungen, aus dem Namen eine Marke zu machen, nicht nur bei den Weinen, auch durch Weinwanderwege und ein „Winecenter“. Etwas älter schon, aber mit dichtem Körper probierte sich der 2007er Pinot Bianco DOC, bevor Gebäude und Wein „der“ Kultwinzerin Südtirols, Elena Walch zur Verkostung kamen: 2009er Cuvée Beyond the Clouds Alto Adige DOC: die Cuvée aus Spitzenlagen duftet nach Quitte, wirkt nussig, das Holz ist noch deutlich spürbar und zeugt von noch langer Lagerfähigkeit. Ebenso wie Elena Walch ein Vorbild im Weglassen von Details bei Weinen ist, ist sie es auch beim Betriebsgebäude, welches sich modern und schlicht hinter einer historischen Mauer versteckt.
Nicht fehlen darf in einer Südtirol-Probe der Lagrein Kretzer, der 2011er von Schloss Wolfsthurn bei Andrian erfrischt mit fruchtigen Erdbeernoten und verlangt geradezu nach einem Südtiroler Vesper. Alois Lageder ist jedem Weininteressierten ein Begriff und so probierten wir einen jedoch schon deutlich gealterten 2008er Römigberg Kalterersee Classico zu Bildern seiner traditionellen Holzmöbel-Ausstattung. Die letzten 3 Weine widmeten sich alle der klassischen Rebsorte Lagrein: Der 2010er DOC der Kellerei Muri-Gries aus Bozen duftete nach Kirsche, wirkte aber noch etwas unreif. Der 2010er Lagrein Grieser DOC Collection „Baron Carl Eyrl“ von der Kellerei Bozen überzeugte durch mehr Reife und der abschließende 2009er Lagrein Riserva DOC des Weinguts Ansitz Waldgries in Bozen war die Steigerung aller vorhergehenden Weine: dicht, reif mit deutlicher Tiefe und dabei hatte man immer Blick auf außergewöhnliche weinbauliche Gebäude und Konstruktionen.
Wein und Architektur erwecken auch Emotionen und die waren an diesem Abend sehr positiv. Ganz herzlichen Dank an Architekt Franz-Josef Mattes und Dr. Christina Jacob.
Regina Brendle, September 2012

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