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DATUM: Tuesday, 13.11.2012,  19:30 Uhr
ORT: Heinrich-Fries-Haus

"Das neue, junge Spanien"

Der intime Kenner spanischer Weinkultur, Dr. Peter Hilgard (Frankfurt), stellt uns Anbaugebiete und deren hochfeine Weine jenseits von Rioja vor.

 

Das neue junge Spanien
Am 13.11.2012 führte Dr. Peter Hilgard, exzellenter Kenner der spanischen Weinszene, die Mitglieder des Konvents der Weinbruderschaft Heilbronn e.V. in die aktuelle spanische Weinwelt ein. Hilgard, von Beruf Arzt entschloss  sich ganz dem Wein zu widmen und ist seit 1987 voll im Weinhandel tätig. Mit seiner Frau, einer gebürtigen Spanierin, betreiben die Hilgards in Spanien ein eigenes Weingut. Dr. Hilgard vertritt die schlüssige Meinung:  „Wein hilft immer“.
Spanien ist Weißweinland, mehr als 50 % der Anbaufläche sind mit weißen Reben bestockt. Grund: Der niederländische Hofstaat um Karl V. war es gewohnt, vor allem Weißweine vom Rhein zu trinken. So war dann auch die 2011er „Cuvée Claudia de Valformosa“ (D:O. Penedés) ein spritzig exotisch fruchtiger Beginn der Probe. Ein ganz anderer Weintyp war dagegen die 2008er „Naiades“, Bodega Naia, Rueda (D.O.Rueda) aus der Rebsorte Verdejo, im Barrique ausgebaut, voll Schmelz, opulent, mit viel Potential; einer der besten und höchstbewerteten Weißweine Spaniens, der den Vergleich mit einem Grand Cru aus dem Burgund nicht zu scheuen braucht.
„Vino tinto“ ist nicht die Übersetzung für Rotwein, sondern für „gefärbten“ Wein. Da der Weißwein zu Zeiten Karl V. so beliebt war, hat man ihn ganz einfach mit Färbertrauben gefärbt und schon war der Lieblingswein eben rot. Heutzutage sorgt vor allem die Tempranillo-Rebe für die Vinos tintos, so auch bei den ersten beiden Weinen des Jahrgangs 2011 und 2010. Der „Enate Tapas Tempranillo“ Bodega Venedos y Crianzas del alto Aragona, Salas Bajas (D.O. Somontano) ist eher als Begleiter der berühmten „Tapas“ zu sehen mit Kirschnoten, der „Mano a Mano“ aus der gleichnamigen Bodega am Fuße der Alhambra stammt aus alten Reben, wurde im Holzfass ausgebaut und hat kräftige Tanine, neben Brombeer- und Pflaumentönen. Die Mancha ist mit 450.000 ha eines der größten zusammenhängenden Weinanbaugebiete der Welt. Der 2009er „Martué“ der Bodegas Martué, La Guardia (D.O. Pago Campo) ist ein Lagenwein dieses Gebietes mit Duft nach Amarenakirschen als Ergebnis einer Cuvée aus Tempranillo, Merlot, Cabernet und Syrah. Von den Ufern des Flusses Atauta stammt der 2009er „Parada de Atauta“ der Bodega Atauta (D.O. Ribera del Duero); der Tempranillo wächst dort bis auf 1.000 m Höhe und ergibt einen komplexen, feinen Wein, demgegenüber es der folgende 2007er „Puerto Salinas“, Bodegas Sierra Salinas, (D.O. Alicante) doch etwas schwer hatte, zumal die Cuvée aus Monastrel, Garnacha und Cabernet Sauvignon auch eine andere Aromatik ergibt. Aus Katalonien, der D.O. Costers del Segre kommt der 2007er „Geol“ der Bodega Tomas Cusiné, deren Erfolg auf Cuvées gründet, in diesem Fall von Merlot, Cabernet, Cabernet franc, Carignan und Marsellanne, einer Neuzüchtung aus Cabernet Sauvignon und Garnacha, die in Montpellier entwickelt wurde und einen frischen, belebenden Wein mit Cranberryduft und Mandeltönen ergibt. Die Nachbarregion des bekannten Priorato ist die auch als D.O. klassifizierte Monsant; der 2007er„Costers del Gravet“ der kleinen Kooperative Bodega Cellers de Capcanes entstand aus Garnacha, Carignan, Cabernet Sauvignon und Syrah, wurde im Barrique ausgebaut und erhielt sich eine angenehme Frucht nach roten Kirschen mit animalischen Facetten. Aus dem gleichen Jahrgang, aber gereifter aufgrund des Ausbaus in der französischen Eiche wirkt der 2007er „Guelbenzu Evu“ der Bodegas Guelbenzu (Ribeira de Queiles. Auf 1.300 m Höhe wachsen die Reben für den von Dr. Hilgard selbst ausgebauten 2008er „Cerro de la Retama“ der Bodea Los Barrancos Lobras/Granada, (Contraviesa-Alpujarra) der durch komplexe Frucht, Finesse und Eleganz überzeugt. Eine Rarität aus über 100 Jahre alten Garnacha-Rebstöcken ist der 2006er „Initio Garnacha“ der Bodega Vinedos de San Martin (D.O. Vinos de Madrid) mit Geschmacksnoten von Amarenakirsche, mit einer tiefdunklen Farbnote und Reifepotential.

Ganz herzlichen Dank an Herrn Dr. Peter Hilgard für die Zusammenstellung und Moderation einer Spanien-Probe, in der er uns überzeugend darstellte, dass Spanien viel mehr ist als Rioja und Cavas.
Regina Brendle, November 2012

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