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DATUM: Friday, 15.11.2013,  19:30 Uhr
ORT: Heinrich-Fries-Haus

"Französischer oder deutscher blauer Pinot?"

So heißt das Thema dieser spannenden Blindprobe, die Weinbruder Sven-Helmut Weller mit den Anwesenden an diesem Abend gestaltet.

 

Französischer oder deutscher blauer Pinot – eine Vergleichsprobe
Eine Einführung in die Welt einer der nobelsten Rebsorten weltweit – dem Pinot noir oder Spätburgunder bot Sven H. Weller den Mitgliedern der Weinbruderschaft am 15.11.2013. Der Pinot, eine „Diva“ unter den Reben, stellt höchste Ansprüche an An- und Ausbau und bringt Weine von erhabener Eleganz bis zu plumper Schlichtheit hervor – wir bekamen an diesem Abend nur Weine der ersten Kategorie zum Verkosten.
Die ersten vier Weine wurden je paarweise zur Einführung in das Thema verdeckt probiert. Der erste war von dunkelroter Farbe, komplexer Nase und mild; der zweite ziegelrot, schlank, elegant und von spürbarer Säure – klarer Fall: Hier trafen ein deutscher Spätburgunder, eine „2011er Spätburgunder Spätlese“ der WG Sasbach auf einen „2008 er Bourgogne von Henri & Gilles“ aus Buisson St. Romain. Zweite Runde: Ein sauerkirschroter Wein von guter Struktur trifft einen bräunlich roten Wein von knackiger Säure und reifer Frucht – kein so klarer Fall mehr, hier wurden zwei deutsche Spätburgunder, ein „2012er Affentaler“ des von Edeka betriebenen Ortenauer Weinkellers und ein „2005er Spätburgunder“ des Weinguts Nagelfürst in Baden-Baden verglichen. Allein diese Einführung gab einen Einblick in die Komplexität des Themas.
Das Burgund, so Weller hat durch die Klimaerwärmung immer stabilere Jahrgänge, gute Weine gibt es ab 30,-- - 50,-- €, nach oben sind keine Grenzen gesetzt und große Weine gibt es nicht zu kaufen. Es gibt eine verwirrende Anzahl von Grand Cru- und Dorflagen, der Ertrag ist aber immer niedrig und die Grand Cru Lagen extrem teuer..
Ein Spitzenvertreter deutscher Burgunder war der „2005er Jannin“ von Jacob Dujn, schlank, reif und weich, im Vergleich dazu wirkte der „2011er Vielles vignes“ aus der berühmten Lage Nuits St. Georges der Domaine Robert Chevillon noch verschlossen, aber doch schon mit einer Komplexität, die Potential verspricht. Dass auch im Remstal gute Burgunder wachsen, bewies der „2007er Simonroth“ von Rainer Schnaitmann, der förmlich „auf der Zunge“ tanzte und den Vergleich mit dem noch relativ jungen und fruchtigen „2010er Gevrey Chambertin“ der Domaine Lecheneaut nicht zu scheuen braucht. In Württemberg sind die Burgunderspezialisten beim Staatsweingut Weinsberg beheimatet, doch der „2007er Gundelsheimer Himmelreich“ ließ nach seinen Vorgängern die Frage nach der  Typizität aufkommen, hatte aber in seinem geplanten Pendant, einem „2004er Bourgogne Hautes-Côtes-de Nuits“ der Domaine Huddelot-Baillet keinen ebenbürtigen Partner, man hatte wohl an der Qualität der Korken gespart- schade. Ein „Ausnahmeburgunder“ war der „2011er Centgrafenberg GG“ von Rudolf Fürst; elegant, komplex und von feinem Bukett, dem der doch einfach strukturierte „2007er Rugiens-Bas Premier Cru“ von Aleth Girardin, aus Pommard außer seinem hohen Preis und dem Namen der Lage nichts entgegenzusetzen hatte. Ein Winzer, bei dem  Burgunder ‚Programm‘ ist, ist Bernhard Huber, sein „2010er Malterdinger Bienenberg GG“ mit feiner Frucht, Dichte und Eleganz brilliert und neben dem sich der „2002er Beaune Montrevenots Premier Cru“ von Aleth Girardin als „kleiner Wein“ und wenig ausdrucksvoll präsentiert. Eine Spende von Fritz Protz, ein „2007er Pinot noir“ von Martha und Daniel Gantenbein aus Fläsch (Bündner Herrschaft), bereicherte den Abend durch seine ausgezeichnete Qualität, neben der auch eine „2011er Rote Halde Auslese trocken“ der WG Sasbach, die sich doch eher schwer und präsentierte, Probleme hatte.
Fazit des Abends: Es gibt im Burgund hervorragende Burgunder, wenn man weiß wo sie zu finden sind und wenn man bereit ist, einen hohen Preis dafür zu bezahlen. Auch Deutschland hat sehr gute Burgunder, die jedoch nicht immer leichten Trinkgenuss bieten. Man sollte jedoch bei diesen Vergleichen auch berücksichtigen, dass in Frankreich die Weine (fast) immer Essensbegleiter als
Essensbegleiter getrunken werden.
Ganz herzlichen Dank an Sven H. Weller für die exzellente und fachlich kompetente Präsentation der Burgunder und an Kellermeister Wolfgang Heinrich für die stimmungsvolle herbstliche Saaldekoration.
Regina Brendle, November 2013

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