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DATUM: Friday, 11.04.2014,  19:30 Uhr
ORT: Heinrich-Fries-Haus

"Die Genuss-Preisrelation"

Wie teuer werden Weine geschätzt, die wir in einer verdeckten Probe paarweise probieren? Die jeweilige Preis-/Genussrelation wird individuell rechnerisch ermittelt.

 

Die Preis-/ Genussrelation
Eine „etwas andere Weinprobe“ veranstaltete die Weinbruderschaft Heilbronn e.V. am 11.04.2014 im Heinrich-Fries-Haus. Auf den Spuren namhafter Weinexperten wurden in einer Blindverkostung von  Test-Gruppen verschiedene Weine jeweils gleicher Rebsorten paarweise probiert, um danach ein Votum abzugeben, welchen Preis man bereit wäre für den Wein zu bezahlen.
Der Wettbewerb im Weinmarkt fördert nämlich heute die Tendenz, dass immer mehr  preisgünstige Weine zu guter Qualität angeboten werden. Dem gegenüber steht ein inflationärer Preisanstieg bei Weinen namhafter Erzeuger .
Das erste Paar war ein „2012er Silvaner QbA trocken“, der Vier Jahreszeiten Winzer, Bad Dürkheim, der gegen einen 2008er „Vinz“ alte Reben, Silvaner QbA trocken des renommierten Weinguts am Stein in Würzburg antrat. Beide Weine zeigten eindeutig die Aromatik des Silvaners, der „Vinz“ wirkte deutlich reifer und hochwertiger, doch wohl kaum jemand hätte 17,-- € für ihn bezahlt. Nächste Paarung: Ein „2012er Weißburgunder QbA trocken“ der Dagernova Weinmanufaktur, Bad Neuenahr, mit grünen Noten,  aber feinem Duft nach weißen Blüten, und ein „2008er Weißburgunder „Feuerberg“ GG des Weinguts Bercher, Burkheim, dessen eindeutige Firne die 19,-- € genau so wenig rechtfertigten, wie die Unreife des Pendants dessen Preis von 8,-- €. Dann der Vergleich von Rieslingen: Der duftige, fruchtige „2011er Riesling trocken „Collection Oberkirch“ der Oberkircher Winzer ist mit seinen 5,50 € ein wahres Schnäppchen, während hingegen der reifere 2012er Riesling „Von der Fels“ QbA trocken des Weinguts Klaus Peter Keller aus Flörsheim-Dalsheim mit Aromen von Weinbergpfirsich und Kräutern seinen Preis von 15,-- € gerade so zu rechtfertigen scheint. Die Sommerwein – Rosés wurden durch einen „2012er Spätburgunder rosé QbA trocken“ der Affentaler WG und einen „2012er Stiftsberg Lemberger Kabinett Weißherbst trocken“ vom Stiftsberg des Weinguts Andreas Fischer in Heilbronn repräsentiert und preislich ( 6,00 bzw.7,00 €) annähernd richtig eingeschätzt.
Aber auch bei den Rotweinen gab es überraschende Vergleiche: Der „2011er Spätburgunder QbA „Barrique“ trocken der Winzer von Erbach im Rheingau bot vielen zu wenig Geschmack für seinen Preis von 14,-- € was teilweise beim allseits bekannten „2011er Spätburgunder vom Gundelsheimer Himmelreich GG“  des Staatsweinguts Weinsberg für 25,-- € ebenso zutraf. Spannend wird eine solche Probe von Cuvées, doch hierbei ließen sich die Probanten nur zum Teil aufs Glatteis führen: Der „2011er Valpolicella Superiore DOC“ der Vitivinicola Zenato mit Aromaten von Brombeeren, Marzipan und Bitterschokolade wurde sowohl mit 8,00 € korrekt, aber auch doppelt so teuer bewertet. Das wiederholte sich beim  „2010er Gravello Rosso IGT Val di Neto“ des Weinguts Librandi mit dichten Tanninen und schwarzen Beerentönen, der zu 14,00 € gekauft wurde. Zum Schluss noch die Testprobe, gespendet von Karl-Ernst Schmitt: Ein „2006er Cabernet Noir Barrique“ vom Weingut Eberbach-Schäfer in Lauffen, der hochgelobt und preislich ( 15,00 €) überwiegend richtig eingeschätzt wurde.
Fazit der Preis-/Genussrelations-Probe: Die Auswertung der Testergebnisse ergab in der Tendenz, dass preisgünstige Weine teurer und teurere Weine wesentlich preisgünstiger bewertet wurden.
Allen Weinfreunden zum Trost: Einem Bericht der FAZ zufolge, soll dies aber auch dem allseits bekannten Weinjournalisten Stuart Piggot widerfahren sein!
Eine Probe, die die Sinne schärfte und im Rahmen einer Art önologischem „Wetten dass“ einen hohen Unterhaltungswert hatte, weckte die Lust auf Wiederholung, zumal da das Votum der Weingeschwister oftmals besser war als das von bekannten „Weinexperten“. Herzlichen Dank an Wolfgang Heinrich für die Vorbereitung und österliche Dekoration und an Karl-Ernst Schmitt für die Zusammenstellung der Weine.
Regina Brendle, April 2014

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