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DATUM: Saturday, 25.10.2014,  19:00 Uhr
ORT: Heinrich-Fries-Haus

"Die Faszination der gereiften Weine - BENEFIZPROBE"

„Forever young“ oder „Was fasziniert viele Weinliebhaber an gereiften Weinen“? Weinbruder Thomas Drachler wird an diesem Abend präsentieren, wie genussvoll und facettenreich Weine auch der älteren Jahrgänge sein können!

 

Die Faszination der gereiften Weine

„Die Deutschen trinken die Weine oft viel zu jung“, war die These, mit der Bruderschaftmeister Karl-Ernst Schmitt den Abend im herbstlich geschmückten Saal des Heinrich-Friess-Hauses am 25.10.2014 eröffnete. Dies zu beweisen war die schwierige Aufgabe von Weinbruder Thomas Drachler, der uns auf eine Weinreise durch Europa mitnahm, während der man die mehr als 10 Jahre alten, gereiften Weine zunächst blind verkostet erkennen sollte um dann festzustellen, ob das „gegen den Trend trinken“ mit „Mut zum Alter“  belohnt wird.
Der erste Weißwein, der mit goldgelber Farbe ins Glas gleitete ließ mit Schiefer-, Honig- und Wachstönen bereits seine Herkunft aus dem Rheingau erahnen, es war ein 2003er „Rüdesheimer Berg Rottland“  Riesling Spätlese trocken, der sich noch sehr gut genießen ließ. In der Folge kamen dann Rotweine zur Verkostung. Marzipanduft und Brombeernoten ließen eine Cuvée vermuten, nämlich die des 2003er „Wollendieb“ des Weingutes G.A. Heinrich aus Heilbronn  aus 40% Lemberger, 30% Cabernet Cubin und Dorsa, einem Wein, der jetzt erst gerade trinkreif zu werden scheint. Interessant der Vergleich der Jahrgänge aus Österreich: 2001er „St. Laurent Grande Cuvée“ des Johanneshofs Reinisch aus Tattendorf mit Kirsch- und Brombeertönen; dagegen der 2004er „Pinot Noir Reserve“ vom Weingut Markowitsch, Carnutum, dessen leichte Eleganz ihn noch präsenter erscheinen lässt. Weiter ging die Reise in die Toskana, von der uns zwei „Supertoskaner“ aus dem letzten Jahrhundert präsentiert wurden: Ein 1995er „Schidione“ von Biondi Santi in Montalcino, im Duft chemisch, aber mit noch erstaunlich leichter Frucht und ein 1998er „Tignanello“ des Marchese Antinori in San Casciano mit blumiger fast parfümierter Nase, aber hoher Präsenz und sich ständig verändernd im Glas! Ganz andere Ansprüche erhebt der 1996er „Barolo Serralunga“ von Bruno Giacosa, einem Klassiker seiner Art, der traditionell auch erst nach 20 Jahren schmecken soll und Reife und Trüffeltöne harmonisch vereint. An der Stelle sei dem Spender dieses Weines, Fritz Protz gedankt.
Ein Geschmackserlebnis dagegen war der 2004er „Châteauneuf-du-Pape“von Michel Tardieu, einer vom  Grenache dominierten Cuvée, die mit Opulenz und Dichte den Gaumen füllte. In die Welt des „Vino tinto“ – nach Spanien entführte uns zunächst mit seinen Kirscharomen der 1997er „Les Terrasses“ von Alvaro Palacios, und zwei Gran Reserva Riojas: Eine 1998er „Gran Reserva 904“ der Bodegas La Rioja Alta in Haro, der noch lebendig auf der Zunge wirkte und eine 1994er „Gran Reserva Vina Tondonia“ der Bodegas López de Heredia der nach 18 Jahren Ausbau (!) sehr präsent ist und doch eine gewisse Tiefe hat und sich im Glas mehr und mehr entwickelt. Wie hoch das Alterungspotential bestimmter Weinsorten sein kann, bewies einmal mehr die Rebsorte „Tannat“, die in Form eines 1998er „Madiran“ von Château Montus noch eine scharfe Säure aufwies und bestimmt noch einige Jahre lagern kann. Mit lebendiger Frucht und Eleganz schmeichelte der 1995er „Château Léoville Poyferré“ der Domaines Cuvelier dem Gaumen der Kenner. Dagegen wirkte der2004er „Cabernet Franc“ der Domaine Clau vom Loiretal mit noch deutlicher Säure fast unreif.
Vor dem letzten Wein präsentierte Kellermeister Wolfgang Heinrich eine Überraschung: Aus einer archäologisch anmutenden Bocksbeutelflasche goss er eine goldgelbe Flüssigkeit in die Gläser und ließ die Anwesenden raten. Geschmacklich noch sehr präsent, zeichneten Blüten- und reife Honigtöne diesen Weißwein aus. Es war ein 1956er „Domtal GG Riesling“ vom Weingut Strub in Nierstein, der immer gepflegt wurde und dessen Alter bei weitem nicht schmeckbar war – sensationell. Was könnte darauf nicht besser passen als ein 2002er „Brauneberger Juffer Sonnenuhr“, Riesling Auslese, der auch mit feinen Honigtönen und frischer Präsenz verwöhnte.
Ganz herzlichen Dank an Thomas Drachler für die aufwendige Vorbereitung und kompetente Präsentation von einigen Jahrhunderten Wein im Glas, die er teilweise aus seinem Privatkeller beisteuerte, an Herbert und Elisabeth Kern für den delikaten Schmankerlteller zwischendurch und an Wolfgang Heinrich für die minutiöse Vorbereitung und Temperierung der Weine und die herbstlich bunte Dekoration.

Regina Brendle, Oktober 2014

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