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DATUM: Friday, 21.11.2014,  19:30 Uhr
ORT: Heinrich-Fries-Haus

"Weine aus Friaul/Julisch Venetien und der Lombardei"

So lautet das Thema zum Abschluss unserer Reise durch das Weinland Italien, bei dem Weinbruder Karl-Ernst Schmitt Weine nicht so bekannter Regionen vorstellt.

 

Die Weine aus dem Friaul

Die Weine einer weniger populären Region Italiens, des Friaul, präsentierte am Abend des 21.11.2014 Bruderschaftmeister und Italienkenner Karl-Ernst Schmitt im Rahmen der letzten Verkostung des Italienjahres. Bei einem „Monzinger Halenberg Riesling GG“ vom Weingut Emrich-Schönleber erklärte er uns die Besonderheiten dieser Landschaft. Das Friaul, das schon in der Bronzezeit von Kelten und später von den Römern besiedelt wurde, konnte auch in neuerer Zeit auf eine bewegte Geschichte zurückblicken, bevor es als autonome Provinz zu Italien gehörte. Landwirtschaftlich geprägt, sind heute 15.400 ha Rebfläche im Anbau, was in etwa der Größe des Anbaugebietes Baden entspricht. Geprägt wird das Terroir Friauls durch die „Ponca“, ein brüchiges, verwittertes mineralisches Karstgestein, das fruchtige Weiß- und kräftige Rotweine hervorbringt, die meist autochthonen Rebsorten entstammen.
Gleich der erste Wein, ein 2013er „Rjgialla“ von La Tunella aus 100 % Ribolla Gialla überraschte mit Pfirsich- und Holundertönen und einer tiefen mineralischen Struktur. Urkundlich erwähnt wurde diese Rebsorte, die auch die Komplexität des nächsten Weines, des 2013er Ribolla Gialla „Zuc di Volpe“ der Tenuta Volpe Pasini bestimmte, bereits 1492 in einem in Udine erlassenen Gesetz, das deren Verfälschung verbot. „Friulano“ – so hieß die Rebsorte des folgenden Weines aus dem Jahrgang 2013 von der sehr erfolgreichen Winzerin Roberta Borghese ausgebaut in den Colli Orientali, die eine eigene Qualitäts- und Namensbezeichnung haben. Lange Hefelagerung und 4 Monate Eichenholzfass verleihen eine besondere Note. Der 2012er „Friulano Vigna del Rolat“ von Dario Raccaro wurde sogar von Robert Parker als außergewöhnliches Beispiel dieser Rebsorte bezeichnet; exotische Aromen von Nektarinen und Ananas machen ihn interessant. Auch internationale Rebsorten trifft man im Friaul an, der 2012er Pinot Biano „Zuc di Volpe“ der Tenuta Volpe Passini ist filigran und elegant. Eher „untypisch“ schlank jedoch würde man den 2013er Chardonnay von Livio Felluga einstufen und der 203er Sauvignon Blanc „Zuc di Volpe“ der Tenuta Volpe Pasini wirkte durch seine grünen Noten eher etwas unreif. Der 2012er „Malvasia Bianco“ von Dario Raccaro entschädigt jedoch für seine Vorgänger mit komplexem, raffiniertem Bouquet, Tiefe am Gaumen und würzigen Aromen.
Spannend war die Verkostung der Cuvées. Die 2013er Rosazzo Bianco „Ellegri“ der Az. Agricola Ronchi di Manzano aus Chardonnay, Sauvignon blanc und Friulano, die im neuen Barrique in Erst- und Zweitbelegung ausgebaut wurde, bringt einen voluminösen und interessanten Wein hervor. Die 2013er Biancosesto rein friulanische Cuvee aus Ribolla Gialla und Friulano von La Tunella wurde von Robert Parker mit 92 Punkten bewertet und überzeugt mit feinem Akazienduft und komplexem Körper.
Auch die Rotweine dieser Region sollten nicht unerwähnt bleiben und so probierten wir zwei davon zum Abschluss. Der 2011er Refosco dal Peduncolo Rosso der Az.Agricola Ronchi di Manzano, aus einer uralten Sorte, die schon bei Plinius dem Älteren erwähnt wurde und auch Livia, der Frau des römischen Kaisers Augustus bestens mundete, duftete nach Cassis und Brombeere, zeigte keine große Dichte, aber mehr Tannine. Der 2007er „Pignacolusse“ von Jermann – einem „Kultweingut“ –, der Top-Wein aus der autochthonen Rebsorte Pignolo aus Lage „Colusse“; sein Duft nach Amarenakirschen und sein Geschmack nach getrockneten Pflaumen und die große Dichte verwöhnten den Gaumen aufs Beste.

Ganz herzlicher Dank an Karl-Ernst Schmitt für die sorgfältige Vorbereitung der Probe und die kompetenten Kommentare.

Regina Brendle, November 2014

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