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DATUM: Friday, 12.12.2014,  19:00 Uhr
ORT: WG Rosswag/Enz

"Weinprobe mit Bratsche – ein nicht alltäglich vinophil-musikalisches Event"

An diesem Abend genießen wir die Weine der bekannten WG Rosswag/Enz bei einem Genuss-Seminar.

 

Exkursion zur Genossenschaftskellerei Rosswag-Mühlhausen.

Ein Ausflug ins „Lembergerland“ – zur Genossenschaftskellerei Rosswag-Mühlhausen eG war die letzte Veranstaltung im Probenjahr der Weinbruderschaft Heilbronn e.V. am 12.12.2014. Dort bot uns Christian Kaiser, der als Vorstand dort erst seit kurzer Zeit im Dienst ist, einen bunten Mix aus Raritäten und Genussexperimenten, um Wein, Genuss und Landschaft erlebbar zu machen. Wein müsse man - ähnlich wie Musik- nicht verstehen, sondern einfach nur genießen können und dieses Bewusstsein wurde bereits mit dem Begrüßungstrunk, einem Mix aus Lemberger-Traubensaft und Bitter Lemon geweckt.Aus der Serie „Ross“, die ein jugendliches Image verkörpert, probierten wir zuerst die 2013er „Cuvée weiß“ trocken aus Riesling, Silvaner und Gewürztraminer, die nicht zu säurebetont ein leichtes Trinkvergnügen bereitet. Sensorisch folgten auch schon die ersten Riechexperimente: Die Wahrnehmung einer Zimt-Zucker-Mischung ohne zu riechen gestaltet sich als schwierig, ebenso wie man vertraute Düfte in schwarzen Gläsern nicht ganz so leicht zuordnen kann. Der Vergleich der nächsten beiden Weine, einem 2013er „Trollinger Blanc de Noir“ der Ross-Serie und einem 2013er „Riesling Kabinett“ trocken diente der Wahrnehmung von süß und sauer: beim Trollinger dominierte die Restsüße, beim Riesling die Säure und Herr Kaiser konnte die Reaktionen der Säurearten auch noch den verschiedenen Gesichtsnerven zuordnen: Apfelsäure gibt einen Kussmund, Weinsäure ein Grinsen ins Gesicht – wer hätte das gewusst? Eine weitere Entwicklung der geschmacklichen Wahrnehmung war die Probe von Joghurt mit und ohne Apfel bzw. Walnuss und Chips – ganz neue Wahrnehmungen auf der Zunge. Zurück zum Wein kam nun ein Highlight zur Verkostung: der 2011er „Riesling Flurstück 6336“ stammt mitten aus den Steillagen der „Rosswager Halde“, einem Weinberg der brach lag. An verschiedenen Reben wuchsen vereinzelt noch Trauben. Diese wurden in kleinen Mengen geerntet und ausgebaut. Das Ergebnis war ein erstaunlich extraktreicher, reifer Wein mit dezenten Honignoten.
Bei den Rotweinen, die 85 % der Rebfläche der WG einnehmen, dominiert der Lemberger mit etwa  60 %, viele davon stehen in  Steillagen. Der 2012er „Lemberger 401“ trocken bezieht seinen Namen von den 401 Stufen, die durch den Weinberg führen, was ca. 23 Stockwerken entspricht! Dunkelrote Farbe, Pfeffer- und Cassisaromen zeichnen diesen Wein aus. Der dortige Sportevent des Jahres, der Teamlauf, findet eben in diesem Weingarten statt und diese Lage, die auch von Hobbywinzern bewirtschaftet wird, erfreut sich zunehmender Reben-Patenschaften. Auch Versuchsweine finden Eingang in diese WG und so ist der2013er „Piwino“ trocken eine fruchtige, an Heidelbeeren erinnernde Cuvée aus Regent, Cabernet Cubin, Cabernet Dorsa, etwas Lemberger und einer pilzresistenten Versuchsrebe des schweizerischen Rebenzüchters Valentin Blatter. Aus Flächenlagen stammt der 2011er „Spätburgunder Barrique“ trocken, ein charaktervoller Wein mit Duft nach Amarenakirschen, der immer körperreicher wird, je länger er im Glas ist.

Ein schmackhaftes, reich bestücktes Vesperbuffet bildete eine willkommene Unterbrechung und Bereicherung der Verkostung, die noch durch den 2012er „Lemberger aus dem großen Holzfass“ ergänzt wurde, bevor wir uns der 2011er „Lemberger Auslese“ widmeten, die durch dichte Komplexität überzeugte. Zum Abschluss galt es noch einmal alle Sinne zu konzentrieren auf den 2013er „Muskattrollinger Rosé“, der mit Rosenduft und Aromaten von Litschi, Papaya und Mango sowie einer gekonnten Säurestruktur den Gaumen verwöhnte.

Ganz herzlichen Dank an Herrn Kaiser für die sensorisch perfekt gestaltet Genussprobe und deren Kommentierung.

Regina Brendle, Dezember 2014

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