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DATUM: Friday, 13.03.2015,  19:30 Uhr
ORT: Heinrich-Fries-Haus

"Fast vergessene Rebsorten in Deutschland"

Der frühere Leiter der Rebenzüchtung der LVWO Weinsberg, Dr. Bernd H. Hill wird uns kaum bekannte Rebsorten wie Urban, Elbling, Goldriesling u.a. vorstellen.

 

Fast vergessene Rebsorten in Deutschland

 

Die großen Unbekannten der Rebsortenszene präsentierte den Mitgliedern der Weinbruderschaft Heilbronn e.V. am 13.03.2015 ein passionierter Spezialist dieses Metiers: Dr. Bernd Hill, ehemals Verantwortlicher für die Rebenzüchtung in der LVWO Weinsberg.

 Die Klassifizierung der Rot- und Weißweinsorten, so Dr. Hill, ist ein Erbe aus dem feudalen Mittelalter, als von den Lehnsherren entschieden wurde, was angebaut wird. Diese hat sich nur noch in Baden-Württemberg erhalten, da es nur noch dort zwei verschiedene Weinbauverbände gibt. Eine der ältesten Abhandlungen über die Rebsorten stammt von Balthasar Sprenger (1778) und ein wohl noch berühmterer Autor auf diesem Gebiet war Immanuel Dornfeld (1860).

Eine der Reben, die bei vielen der heutigen Rebsorten als Elter im Stammbaum steht, ist der „Weiße Heunisch“, der im Mittelalter ein Synonym für Edelreben war. Wir probierten den 2013er des Weinguts Kerth-Hüther aus Birkweiler, einen schlanken Wein von zitroniger Frische. Dass Silvaner auch blaubeerig sein kann, überraschte doch so manchen, der „2013er Blaue Silvaner“ des Winzerkellers Randersacker war fruchtig mit Honigmelonen- und Birnenaromen. Schon eher bekannt ist der Weiße Elbling, zu dessen Elternreben der eben erwähnte Weiße Heunisch und der Traminer gehören und der noch an der Mosel angepflanzt wird. Der „2013er Elbling“ des Weinguts  S.Scharfbillig ist säurebetont, auch als idealer Sektgrundwein vorstellbar. Der „Hölder“ hat seit 1987 Sortenschutz, stammt von weißem Riesling und Ruländer ab und ergibt im Jahrgang 2013 der Weingärtner Fellbach einen schönen, gefälligen Trinkwein. Auch Riesling kann blaubeerig sein und zeigt sich als eher goldfarbener Wein, es gibt ihn als 2013er vom Weingut U. Allendorf in Oestrich-Winkel. Nun wurde leider nicht deutlich, ob der Wein so schmecken soll oder eher ein Fehlton sein Geschmacksbild prägte. Ein Weißwein unbekannter Abstammung ist der „Gelbe Orléans“, der im gemischten Satz fest verankert ist. Der 2013er vom Weingut Knipser hat feine Mirabellentöne und seine Säure ist gut eingebunden. Durchaus denkbar, dass dies ein Wein für den Klimawandel wird, so Dr. Hill. Beim nächsten Wein war wieder der Weiße Heunisch Elternteil und zusammen mit Burgunder entstand der „Auxerrois“, der übers Elsaß und die Obermosel nach Württemberg kam. Der 2013er des Weinguts Hirth-Rebhof beeindruckt mit Aromen tropischer Früchte, Holunder, Mango und Maracuja.

Ganz in der Nähe wächst eine – uns Württembergern nicht ganz unbekannte Rebsorte – der „Tauberschwarz“, der 1959 letztmalig ausgebaut wurde, bevor ihn der Geschäftsführer des Weinbauverbands Anfang der 1980er Jahre wiederentdeckte, als es davon gerade noch 400 Rebstöcke gab. Der 2013er der Weingärtner Markelsheim ist granatrot, feinfruchtig, von milder Harmonie und mit feiner Würze im Gaumen. So wie es Roten Riesling gibt, gibt es auch den „Schwarzelbling“. Die Fassprobe des 2014ers des Weinguts S. Scharfbillig ist jedoch ein recht leichter, fast neutraler Rotwein. Eine dem Trollinger geschmacklich durchaus ähnliche Rebsorte ist der „Blaue Urban“, dem sich das Weingut Graf Adelmann gewidmet hat, dessen 2012er ist ein kräftiger Trinkwein mit Bittermandelnoten. Ein hierzulande nicht unbekannter ist der „Helfensteiner“, entstanden aus der Kreuzung von Blauem Frühburgunder und Blauem Trollinger mit dem Ziel, einen besseren Trollinger zu erzeugen.. Der 2013er des Weinguts Wangler hatte jedoch aufgrund seiner hohen Restsüße eher Traubensaftcharakter. Der „Rotberger“, gespendet von Weinbruder Thomas Drachler, ist eine Züchtung aus Trollinger und Riesling, vom Charakter her fast eine Tafeltraube. Der 2011er des Weinguts Birkert lässt deutliche Marmeladetöne erkennen. Der 2007er „Blaue Gänsfüßer“ der Winzer Bad Dürkheim ist dunkelrot, hat fruchtige Säure und reife Tannine, wäre auch geeignet fürs Barrique und ist ein schöner Abschluss einer hochinteressanten Weinverkostung, die man so bald nicht mehr miterleben wird.

Ganz herzlichen Dank an Herrn Dr. Hill für die Besorgung und Vorauswahl der Weine, die Durchführung der Probe inklusive sehr informativem Handout, in der er uns einen Teil seiner hervorragenden Kernkompetenz vermittelt hat.

 

Regina Brendle, März 2015

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