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DATUM: Friday, 24.04.2015,  19:30 Uhr
ORT: Heinrich-Fries-Haus

"Deutsche Rieslinge von unterschiedlichen Bodenstrukturen"

Wie deutlich ist der Boden im Wein schmeckbar? Oder (nur) ein Marketingargument?
Am Beispiel deutscher Rieslinge, die Bruderschaftmeister Karl-Ernst Schmitt selektiert hat, wollen wir in einer Blindprobe (Gruppenarbeit) diesem Phänomen nachgehen.

 

Deutsche Rieslinge von unterschiedlichen Böden

 

Wenn Weingeschwister sich für jahrtausendealte Bodenformationen und Geologie interessieren, hat das seinen Grund: „Terroir“ heißt das Zauberwort und dessen Einfluss auf den Geschmack des Weines sollte sich am 24.04.2015 von den in Arbeitsgruppen vereinten Konventsmitgliedern in verschiedenen Rieslingen des Jahrgangs 2013 unter der Leitung von Bruderschaftmeister Karl-Ernst Schmitt und Kellermeister Wolfgang Heinrich erraten lassen. „Terroir“ umfasst aber nicht nur den Boden, das Gestein, die Hangneigung und das Mikroklima, sondern auch die Arbeit des Winzers. Warum gerade Riesling? Kein anderer Wein, so Schmitt, reagiert so nervig auf verschiedenste Böden. Zum Affinieren des Gaumens gab es eine Riesling Spätlese trocken „Eduard Mörike“ der Lauffener Weingärtner, ein heimischer Einstieg, bevor es auf die Weinreise durch die Erdgeschichte ging.

 

Während die beiden ersten Weine kursierten, erfuhren wir, dass die Details über den chemisch organischen Prozess, wie der „Bodenton“ in den Wein kommt, noch nicht endgültig erforscht ist und man die Beteiligung von Bakterien vermutet. Schon im Vorfeld gingen die Meinungen der Rateteams auseinander, bevor wir die richtige Lösung erfuhren. „Kieselstein“ Riesling trocken des Weinguts von Racknitz wurde demselben Wein vom Vulkangestein gegenübergestellt. Der Wein vom Kieselstein, einem 2,5 Mio. Jahre alten Sedimentgestein wirkt mineralisch, salzig gar, der Wein vom harten Vulkanstein, auch als Basalt bekannt, der wenig Nährstoffe an den Boden abgibt, verfügt über eine festere Struktur und feine Säure.

 

Kontrovers diskutiert wurden auch die Weine des zweiten Durchgangs bevor man erkannte, dass dieser üppige, fruchtbetonte Riesling mit sanfter Säure eine „Forster Ungeheuer“ Spätlese trocken des Weinguts Kimich, Deidesheim vom mageren Kalkboden war, und der feingliedrige Riesling ein heimisches Gewächs vom Schilfsandstein vom Weingut Hirth-Rebhof in Willsbach kommt. Schilfsandstein ist ein 230 Mio. Jahre altes, feinkörniges Sedimentgestein, aus dem z.B. auch das Weltkulturerbe Kloster Maulbronn erbaut wurde.

 

Mehr Einigkeit bei der „Bodenbestimmung“ herrschte bei der dritten Paarung: Schiefer war in aller Munde, doch man erkannte schnell, dass dieses dunkle Sedimentgestein nicht nur Moselrieslinge prägt, sondern als Devonschiefer auch den Weinen des „Bopparder Hamm“ vom Weingut Weingart in Spay leichte Würze, Eleganz und Rasse verleiht. Der als Solitär verkostete nachfolgende Wein schien wohl ähnlichen Ursprungs zu sein aber – vom Grauschiefer in der Pfalz, was Weinbruder und Sponsor Peter Fleischmann sofort erkannte. Das Weingut Herbert Meßmer baut dort einen mineralischen, adstringierenden Riesling aus.

 

Den beiden folgenden Weinen wurde von allen Teams zwar jugendliche Frische und Lagerfähigkeit bescheinigt, doch deren Bedeutung zunächst verkannt. „Von der Fels“ Riesling QbA trocken von Weingut Klaus Peter Keller, Flörsheim-Dalsheim war das Lösungswort für einen zart duftenden Riesling mit langem Abgang, dessen Reben auf Ton Ablagerungsgestein immer genügend Wasser haben und den sich auch schon die englischen Royals munden ließen. Ein weiterer Star der Rieslingszene ist das Weingut Schäfer-Fröhlich, dessen „Vulkangestein“ Riesling trocken seine Herkunft durch subtile Rauchnoten suggeriert.

 

Ratlosigkeit machte sich breit in den Gesichtern der Verkostenden – und man tippte auf ein hiesiges Gewächs, was zumindest für einen der beiden Weine richtig war. Ein Riesling vom Muschelkalk des „Besigheimer Wurmbergs“ von Ernst Dautel begegnete einem ebensolchen vom „Escherndorfer Lump“ (gut getarnt in eine Mineralwasserflasche umgefüllt), 1. Lage von Horst Sauer – feinste Rieslinge von 240 Mio. Jahre altem Sedimentgestein, die auch nach dem  Genuss noch mit einer sog. „dritten Nase“ aufwarten können.

 Auch auf der Zielgerade blieb es spannend und doch erinnerten sich manche daran, den würzigen, schmeichelnden Riesling trocken „Emotion CG“ der Weingärtner Cleebronn-Güglingen vom bunten Mergel des Michaelsberges schon verkostet zu haben. Dass aber der mit feinen Pfirsichtönen verwöhnende Riesling trocken GG „Niersteiner Glöck“ der Staatl. Weinbaudomäne Oppenheim dem roten Buntsandstein entstammt, der auch den Speyrer Dom prägt, erkannte niemand.

  Ein sehr lehrreicher Abend, an dem der Hauptgewinn „Erfahrung“ war, ging zu Ende. Ganz herzlicher Dank an Karl-Ernst Schmitt für die aufwändige und umfassende Vorbereitung dieser außergewöhnlichen Probe und an Wolfgang Heinrich für die Vorbereitung der Weine und die Deko.

 

Regina Brendle, Mai 2015

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