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DATUM: Friday, 25.09.2015,  19:30 Uhr
ORT: Heinrich-Fries-Haus

"Große Weißweine Österreichs /Niederösterreichs“ (Teil 1 des Jahresthemas)"

Nicht nur die Wachau, u.a. auch die Anbaugebiete „Kamptal“, „Weinviertel“ und „Wagram“  glänzen heute mit sehr feinen Weißweinen, besonders mit Riesling und Grünem Veltliner.

 

Große Weißweine Österreichs

 

Die zweite Weinprobe zum Jahresthema „Österreich“ war die Verkostung „Großer Weißweine Österreichs“ am 25.09.2015 im herbstlich blumengeschmückten Saal des Heinrich-Fries-Hauses. „Wein und Österreich“, so stellten Bruderschaftsmeister Karl-Ernst Schmitt und Kellermeister Wolfgang Heinrich, der Moderator der Probe übereinstimmend fest, verbindet mancher Weinkenner noch immer mit den Erinnerungen an den Weinskandal von 1985, der Österreich und seine Winzer in eine önologische Katastrophe stürzte. Nachdem der Staat mit dem Erlass des weltweit strengsten Weingesetzes reagierte, hat sich die österreichische Weinwelt grundlegend geändert und eine positive Wendung genommen. Den Beweis dafür erbrachten die präsentierten Weine. 

 In 17 Weinbaugebieten werden auf 46.000 ha Weine erzeugt mit einem Maximalertrag von 67,5 hl/ha und, so Wolfgang Heinrich, es ist denkwürdig, welche Preise dafür erzielt werden. Schon zu Beginn probierten wir den Nachfolger eines Bundessiegers, den 2009er Sekt Méthode Jurtschitsch brut nature, Kamptal, der mit feiner Perlage und Aprikosennoten den Gaumen angenehm aufweckte. Der österreichische Staat hatte 2005 die Sektsteuer abgeschafft, nachdem der Prosecco-Konsum sehr hoch war und 2014 wieder eingeführt, als die österreichischen Verkaufszahlen für Sekt einen ähnlichen Aufschwung nahmen. Mit dem Vergleich zweier 2013er Sauvignon blancs aus der Südsteiermark, deren Klima ideale Bedingungen für diese Rebsorte bietet, stiegen wir in die österreichische Weinwelt ein: der Wein von Erich Sabathi, Südsteiermark, wirkte milder, eleganter und mineralischer, die Steirische Klassik des Weinguts Tement hatte dagegen typischere Stachelbeeraromen und deutlicherer Säure – zwei völlig unterschiedliche Weine. Motivation für die Präsentation der 2014er Cuvée Clockwerk Orange trocken des Weinguts Nadler aus dem Carnuntum war, so Heinrich, die vergebliche Suche nach einem reinsortigen Goldburger, der in der Cuvée zu 15 % neben Welschriesling und Muskateller vorhanden ist. Ein leichter, trinkanimierender Weißwein. Doch nun sollte es Spezialitäten aus dem „Raritätenkabinett“ geben. Vom renommierten Weingut Johanneshof Reinisch probierten wir aus dem Jahrgang 2013 den Rotgipfler Satzing und den Zierfandler Spiegel. Der Rotgipfler, aus 35 Jahre alten Reben, mittelgelb mit Duft nach Karamell, Butter und Holz überrascht mit deutlichem Ananaston im Abgang, der Zierfandler Spiegel aus 40 Jahre alten Reben und im großen Holzfass vergoren weist ausgeprägte Aromen von Orangen, exotischen Früchten und Lychees auf – welch exotische Überraschung! „Die“ Wiener Weinspezialität ist der „Gemischte Satz“, dem Fritz Wieninger maßgeblich zur Erlangung des DAC-Status verholfen hat. DAC steht für „Districtus Austriae Controllatus“, der für gebietstypische Weine von Regionalkomitees verliehen wird. Eine Rebsorte ist ein Geige, der Gemischte Satz ein Orchester, so Wieninger. Ursprünglich Heurigenwein hat sein 2013er Wiener Gemischter Satz DAC Nussberg mit diesem nichts mehr gemein, sondern ist ein eleganter, fruchtiger Wein mit Aromen von Steinobst, reifen gelben Früchten und deutlicher Mineralik.

Einen weiteren Bundessieger des Weinsalons bekamen wir mit dem 2013er Kremser Pfaffenberg Riesling Kremstal Réserve trocken der Winzer Krems zu verkosten, deren bewährte Kompetenz sich auf die Hauer-Innung von 1447 gründet. Ein wahrer Früchtekorb von Pfirsich, Marillen, Ananas und Orangenzesten verwöhnt Nase und  Gaumen. Grünen Veltliner kennen viele Österreichfans, doch Birgit Eichinger, laut Falstaff „ein Fixstern unter den österreichischen Topbetrieben“ erzeugt auch roten Veltliner, dessen Elternreben Traminer und St. Georger sind. Der 2014er rote Veltliner Stangl duftet nach weißer Birne und Orange und erinnert in seinem langen Abgang an weiße Früchte – eine fantastische Rarität. In Fortsetzung des Themas „Roter Veltliner“ probierten wir eine Kreuzung aus rotem Veltliner und grünem Silvaner, was einen Neuburger ergibt, der in der Qualitätsstufe Smaragd, limitiert aus dem Jahrgang 2009 vom Weingut Hirtzberger schon eine Seltenheit ist. Goldgelb funkelt dieser Wein im Glase, duftet nach Apfelstrudel, Walnusskrokant und schmeckt nach Aprikosen -  ein echter „Sonntagswein“.

 Zwei Klassiker standen einander gegenüber: der 2013er Grüne Veltliner aus der 1. Lage Ried Lamm von Birgit Eichinger und von Schloss Gobelsburg. Der Wein von Birgit Eichinger wurde im 200 l – Akazienfass vergoren, ist goldgelb, samtig mit einer Nase von subtilen Gewürzaromen, saftig und balanciert. Schloss Gobelsburg präsentiert einen nussig feinen Wein mit Würze von weißem Pfeffer, salziger Mineralität und Marzipanaromen – beide Weine ein exzellenter Genuss.

Rieslinge der „Oberklasse“ aus dem Jahrgang 2012 von Schloss Gobelsburg verwöhnten uns zum Abschluss: die Riesling Auslese mit ungestümem Süße-Säure-Spiel und die ausgezeichnete Trockenbeerenauslese mit Honig- Bienenwachs- und Trockenfrüchtearomen.

 

Ganz herzlichen Dank an Wolfgang Heinrich für die minutiös vorbereitete, hochwertige Probe, die uns auch unbekannte Rebsorten vertraut machte und für den Blumenschmuck. An Thomas Drachler und Peter Fleischmann für die Mitwirkung bei der Beschaffung einzelner Weine und Regina Brendle für die organisatorische Unterstützung.

 

Regina Brendle, September 2015

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