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DATUM: Saturday, 24.10.2015,  19:00 Uhr (Herbstprobe)
ORT: Heinrich-Fries-Haus

"Die Rotweine des Burgenlandes“ (Teil 2 des Jahresthemas)."

Vom berühmten Rotweinhimmel des Burgenlandes werden wir an diesem Abend einige der vielen Fixsterne kennen und schätzen lernen. Freuen wir uns auf Blaufränkisch, Spätburgunder, Zweigelt und Co. und auf die exzellenten roten Cuvées.

 

Die Rotweine des Burgenlandes

 

Letzte Probe zum Jahresthema „Österreich“ war die am 24.10.2015 von Bruderschaftsmeister Karl-Ernst Schmitt organisierte und moderierte Probe der Rotweine des Burgenlandes. Schmitt begrüßte die Gäste und die Konventsmitglieder mit einem Zitat von Ziska aus dem Epos „Der gute Österreicher“ und stimmte damit auf das Thema ein: „Nach Österreich denn, ins schöne Land der Reben, ins Land der blauen Trauben, der blauen Seen, ein Einbruch nur – holdsel‘ ger Herbst ist‘ s eben“ – so herbstlich wie die schmucke Tischdekoration an diesem Abend.

Mit fruchtig prickelnder Leichtigkeit weckte der rosé Sekt brut der Sektkellerei Szigeti, Gols einer Cuvée aus Zweigelt und Blaufränkisch als Apero den Gaumen, und dass die Winzer ihr Handwerk in der Champagne gelernt hatten, war deutlich schmeckbar. Im Burgendland wird auf einer Gesamtfläche von 13.842 ha Wein angebaut, die meisten Winzer sind Mitglieder gebietsbezogener Weinbauvereinigungen, deren Bestreben es ist, nach dem Weinbauskandal von 1985 die Qualität der Weine zu verbessern und diese auf internationaler Ebene bekannt zu machen. Die Topbetriebe sind zusammengeschlossen in Weinzirkeln.

 Zweigelt, eine Kreuzung aus Blaufränkisch und St. Laurent, die in Österreich auf 14 % der Gesamtfläche angebaut wird, war die erste rote Rebsorte, die wir verkosteten. Dabei hatte es der 2013er des Weinguts Paul Achs, Gols aus biodynamischem Anbau der noch unreife Noten hatte, schwer gegenüber dem schon lange gereiften 2006er Zweigelt „Föllikberg“ des Topweinguts Kollwentz, der mit tiefen Kirscharomen noch jugendlich wirkte. St. Laurent, eine Burgundermutation, wird in Österreich aufgrund einiger Eigenschaften wie früher Austrieb, Verrieselungsgefahr und früher Reife nur noch selten angebaut. Wir probierten den 2012er des Weinguts Heike und Gernot Heinrich, Gols aus biodynamischen Anbau, unfiltriert, mit lebendigen Brombeerfruchtnoten und interessanter Mineralität. Mit einer schönen Burgundernase überraschte der 2010er Pinot Noir der Lage „Ried Fabian“ des Weinguts Hans Igler, Deutschkreuz und nicht nur die Nase, sondern auch die Eleganz im Geschmack bewies, dass hier eine internationale Rebsorte richtig ausgebaut wurde.

 

Die im folgenden präsentierte „Paraderebsorte“ des Burgenlandes ist der Blaufränkisch, eine Kreuzung aus Heunisch und einer unbekannten Rebsorte. „Fränkisch“ war im Mittelalter ein Synonym für „edel“. Zwischenzeitlich ist die Rebsorte in ganz Europa verbreitet, 98% der Weinbaubetriebe im Burgenland haben diesen im Sortiment und marketingmäßig weltweit so etabliert, dass damit Spitzenpreise erzielt werden. Gleich zu Beginn ein interessanter Vergleich zweier 2013er vom Spitzenweingut Gesellmann aus der Lage „Hochacker“ und vom Weingut Krutzler aus der Lage „Eisenberg“. Beide hatten feine Kirsch- und Bittermandelnoten, doch das Alleinstellungsmerkmal „Eisenberg“ verlieh dem Wein des Weinguts Krutzler eine mineralischere Note und dadurch mehr Tiefe. Steigerungen bot die 2012er „Creitzer Reserve“ des Weinguts Gesellmann, die mengenreduziert und aus besten Lagen noch mehr Dichte und Harmonie bot. Wieviel mehr ein Blaufränkisch aufbieten muss, um „Salonwein“ zu werden, offenbarte sich uns im 2013er Blaufränkisch „Biiri“ des Weinguts Hans Igler: Bitterschokolade, Marzipan und Schwarzkirsche bestimmten die Opulenz dieses großartigen Weines. Ganz anders präsentierte sich der 2010er Blaufränkisch „Oberer Wald“ des renommierten Winzers Ernst Triebaumer, dessen fruchtige Eleganz eine weitere Facette des Blaufränkisch zeigte. Und es gab noch eine Steigerung mit einem Kultwein: Perwolf – war das Zauberwort für den 2012er Blaufränkisch des Weinguts Krutzler. Dichte tiefe Kirschnoten vereinigten sich in einer komplexen Struktur zu einem konzentrierten Wein, der noch viel Potential hat und sehr eigenständig und nicht zu international gemacht ist.

„Vulcano 2007“ ist die Bezeichnung einer Cuvée des Weinguts Igler aus Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon, Zweigelt und Merlot und die Explosion am Gaumen folgt unmittelbar: rote Fruchtaromen, Finesse und harmonisch eingebundene Tannine garantieren den Trinkgenuss. Das Finale der Weinprobe bildete eine Cuvée aus den burgenländischen Rebsorten Blaufränkisch und Zweigelt „Pannobile 2013“ vom Weingut Heike und Gernot Heinrich, ein fruchtig runder und harmonischer Wein, der noch viel Potential hat und den man sich gerne in den Keller legt.

 

Ganz herzlichen Dank an Karl-Ernst Schmitt für die kompetente Durchführung und Moderation dieser interessanten Probe, an Wolfgang Heinrich für die geschmackvolle Dekoration und fürs Einschenken und an Thomas Drachler für die Unterstützung beim Ausschank.

 

Regina Brendle, Oktober 2015

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