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DATUM: Thursday, 19.11.2015,  19:00 Uhr
ORT: Drautz-Able, Heilbronn

"Besuch des VDP-Weingutes Drautz-Able, Heilbronn"

Wir sind zu Gast bei einem der ältesten und renommiertesten Weinbaubetriebe Heilbronns und Württembergs, der weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist.

 

Besuch des VDP-Weinguts Drautz-Able

 

Wer in Heilbronn die Weine eines VDP-Weinguts verkosten möchte, wird sogar schon im Stadtbusbereich fündig: Die modern renovierte Vinothek des VDP-Weinguts Drautz-Able in der Faißtstraße ist die eindrucksvolle Visitenkarte eines der ältesten und renommiertesten Weingüter Heilbronns, das nächstes Jahr sein 520jähriges Jubiläum feiert. Seit ewigen Zeiten ist dieses Weingut mit gleichbleibend hochwertigen Kollektionen in der Top 10 Württembergs. Innovation war nie ein Fremdwort: 1978 kreierte man den ersten Winzersekt rosé vom Trollinger, 1986 war Richard Drautz Mitbegründer der HADES-Gruppe und 1990 an der Gründung des Deutschen Barriqueforums beteiligt, wie Bruderschaftmeister Karl-Ernst Schmitt bei der Begrüßung feststellte.

 Mit dem „Hauschampagner“, einer fruchtig frischen 2008er Cuvée „MC“ blanc extra brut begrüßte die Familie Drautz die Mitglieder der Weinbruderschaft Heilbronn e.V. Die Probenfolge versprach ein fachliches Probieren jüngerer vs. gereiftere Jahrgänge der jeweiligen Rebsorte und es wurden nur Weine probiert, die in der Zeit von Markus Drautz, der Geisenheim-Absolvent ist, entstanden. Gaumenschmeichelnd begann die Verkostung der Weine mit einem „Gewürztraminer 3 Tauben“, von dem der 2014er mit Rosenduft und Geschmacksnoten von exotischen Früchten beeindruckte, der 2011er jedoch schon etwas gereifter, ja fast oxidativ wirkte. Vom Sauvignon blanc war der Jahrgang 2006 der erste, der im Holzfass ausgebaut wurde und mit cremiger Eleganz noch kaum Alterungstöne aufwies. Der 2013er dagegen wirkte ähnlich wie seine Pendants aus der Steiermark mit exotischen Nuancen. Der 2014er „Stiftsberg Riesling GG“ ist noch nicht im Verkauf, doch für die, die ihn probierten ein „must-have“: Frische Zitrusnoten, Duft nach weißen Blüten und Eleganz stehen für einen außergewöhnlichen Wein, dagegen wirkte der 2007er in seiner Reife schon recht fortgeschritten. Als Vergleich präsentierte Markus Drautz noch einen 2014er Kabinett Riesling, einen Gutswein der für alle Tage Trinkvergnügen bereitet. Beim Verkosten des „Trollingers 3 Tauben“ erfuhren wir, dass diese interne Klassifizierung dem Familienwappen entstammt und der 2008er, Träger des Ehrenpreises der Weinbruderschaft Heilbronn im Trollingerwettbewerb, wirkte noch sehr jugendlich und frisch, fast besser als der 2012er, der durch lange Lagerung auf der Hefe wohl noch mehr Zeit zum Reifen braucht. Welche Rolle „Terroir“ für einen Wein bedeutet, wurde beim Vergleich der „Hades-Lemberger“ deutlich: der 2012er wächst bei Neckarsulm auf Gipskeuper und wirkt gehaltvoller und tiefer, der 2007er aus Heilbronner Gemarkung wirkt weicher, runder und vom Gesamteindruck her sind die 5 Jahre Unterschied kaum schmeckbar. Die Wichtigkeit der Arbeit im Weinberg zeigte sich im Vergleich der „Scheuerberg Spätburgunder GG“. 2006 war der erste Jahrgang, der von Essigfäule betroffen war, dieser saubere elegante Wein war ein idealer Vorgänger des gelungenen 2013ers, dessen Zwetschgentöne den Gaumen kitzelten. Der „Jodokus Rotwein Hades“ ist immer der beste Wein eines Jahrgangs und wurde bis zum fünfhundertsten Jubiläum des Betriebes immer sortenrein ausgebaut, danach als Cuvée. Mit dem 2012er und dem 2007er probierten wir zwei exzellent dichte Rotweine, bei denen die Entscheidung, welchen man nun lieber im Glas hätte wirklich schwer fällt und die ideale Antwort heißt: einen nach dem anderen.

 Für den Schluss des Abends musste man sich warm anziehen. Im Keller des Weinguts probierten wir noch einen sortenreinen „1994er Jodokus Dornfelder“, der noch eine runde, tiefe Frucht aufwies und einen „1989er Jodokus Lemberger“, der wohl das ewige Leben zu haben scheint. Der 1968er hingegen hatte leider nicht mehr überlebt.

 

Ganz herzlichen Dank an die Familie Drautz für ein außergewöhnliches, vinophiles Probenerlebnis und besonderen Dank an Markus Drautz für ein unverblümtes, ehrliches „Plaudern aus dem Nähkästchen“.

 

Regina Brendle, November 2015

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