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DATUM: Saturday, 11.06.2016,  Detaillierte Info folgt noch!
ORT: badisches Anbaugebiet Kraichgau

"Weinkulturelle Exkursion in das badische Anbaugebiet Kraichgau"

„Wandeln auf vergangenen Pfaden“. Wir wollen unsere erste, im Gründungsjahr 1991 durchgeführte Exkursion wiederholen und auch die seinerzeit kennen und schätzen gelernten Weingüter besuchen. (Busfahrt)

 

Weinkulturelle Exkursion ins badische Anbaugebiet Kraichgau

 

Im 25. Jahre ihres Bestehens wiederholte die Weinbruderschaft Heilbronn e.V. ihre damalige erste Exkursion ins Kraichgau frei nach dem diesjährigen Motto „auf bekannten Pfaden wandeln, dabei Neues entdecken und Altbekanntes vertiefen“. Stilecht wurde diese „Revival-Tour“ im Oldtimer-Bus aus dem Baujahr 1971 der Firma Müller-Reisen durchgeführt und so ging es am Morgen des 11.06.2016 durchs grüne Kraichgau nach Kürnbach.

 

Dort erwartete uns im Weingut Plag schon der dynamische Jungwinzer Philipp Plag mit einem Glas „2013er Pinot Sekt brut“ und erläuterte uns seine Philosophie. Er verzichtet auf  Herbizide und Mineraldünger, seine Weine werden überwiegend sortenrein ausgebaut und derzeit 12,5 ha Fläche bewirtschaftet. Den ersten Wein, einen „2015er Riesling Premium trocken“ vom Muschelkalk, mit frischer, spritziger Säure, probierten wir im Barriquekeller, wo ein Brunnen die Luftfeuchtigkeit auf einem Niveau hält, das die Verdunstung des Weines in den Barriques deutlich reduziert. Den

„2015 Grauburgunder S Premiumserie“ kredenzte man uns im Stahltankkeller; fein eingebundene Holzaromen ließen den Wein nicht zu breit wirken und fruchtige Noten von Honigmelone und Williamsbirne schmeichelten dem Gaumen. Wieder im Freien verkosteten wir den „2014er Chardonnay trocken“ aus der Premium-Serie Excellance, der – nach französischem Vorbild - im Barrique vergoren wurde mit cremiger Fülle sicher in 3 Jahren noch mehr Trinkvergnügen bereitet. In der Weinstube widmeten wir uns dann den Rotweinen. Von überraschender Dichte: Der „2014er ALBERTSchwarzriesling trocken“, wohingegen der „2014er RED“ eine Cuvée aus Syrah, Cabernet und Merlot eher an internationale Standards erinnerte. Highlight war ein „2014er Lemberger trocken Excellance“, eine der roten Hauptrebsorten. Mit diesem Wein hat das Weingut auch schon mehrfach den Lemberger-Wettbewerb „Vaihinger Löwe“ gewonnen- dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Auf engen Straßen fuhren wir weiter in den Country-Grill des Golf-Country-Clubs Heitlinger, wo wir mit Blick auf noch mehr Green und Golfer sehr „stylish“ unser Mittagessen einnahmen. Danach ging es weiter ins Weingut Heitlinger, zu dem auch das Weingut Burg Ravensburg gehört, wo uns Frau Scholz bereits erwartete. Unser Begrüßungssekt, ein „2011er HEITLINGER Brut blanc de noir“ war diesmal im Holzfass und Barriques gereift und wirkte sehr wuchtig und rauchig. Mit dem Glas in der Hand entdeckten wir nun die Schätze des Kellers. Überraschend präsentierte sich die Kraichgauer Spezialität des „2014er HEITLINGER Auxerrois“ mit Aromen von Birnen, rotem Apfel und gelben Früchten recht aromatisch. Interessant war der Vergleich der beiden Rieslinge „2015 Burg Ravensburg Sulzfeld Riesling“ VDP Ortswein und „2011er HEITLINGER Schellenbrunnen Riesling VDP Großes Gewächs“, dessen Eleganz noch großes Potenzial versprach. Holzbetont und saftig präsentierte sich der „2013er HEITLINGER Pinot Meunier“ bevor wir im Barriquekeller als krönenden Abschluss den mit Brombeertönen überzeugenden „2010er Dicken Franz Blaufränkisch VDP Große Lage Burg Ravensburg“ genossen. Und schon durften wir wieder einsteigen und dem Highlight des Tages entgegenfahren.

 

Nach 25 Jahren nicht mehr wiederzuerkennen war das EcoVin Weingut Klumpp in Bruchsal, das sich – vom „Spargelbesen“ -  zu einem der führenden und modernsten Bioweingüter Deutschlands entwickelt hat. Nach einem Begrüßungsschluck beim „Pinot rosé Sekt brut“ führte uns Ulrich Klumpp durch seinen Barriquekeller und seine Wirtschaftsgebäude, bei deren Neubau unter Verzicht auf jegliche Kellerromantik die neuesten EU-Hygienevorschriften umgesetzt wurden, die hierzulande noch manchem Winzer Kopfzerbrechen bereiten werden. Zurück im modernen stilvollen Probierraum begannen wir mit 2 Sommerweinen, dem „2015er Blanc“ – einer Cuvée aus Müller-Thurgau, Riesling, Sauvignon blanc und Scheurebe und dem fein strukturierten „2015er Weißburgunder“ unsere Verkostung. Mit Aromen von Mango, Papaya und Mirabelle präsentierte sich der bereits bekannte „Auxerrois“ des Jahrgangs 2015. Der „Grauburgunder“ gleichen Jahrgangs, teilweise in Barriques ausgebaut war körperreich und von ansprechender Säurestruktur und erfuhr seine Steigerung im cremigen und fülligen 2014er Grauburgunder der exzellenten Lage „Rothenberg“. Spannend war der Vergleich der 2013 er Rieslinge: „Klosterberg“ mit deutlicher Mineralik, der „Himmelreich“ eher fruchtig, jeder für sich etwas Besonderes. Auftakt zu den Rotweinen war eine interessante Gegenüberstellung: die „2013er Cuvée No. 1“ aus Lemberger, Spätburgunder, St. Laurent und Cabernet, leichter Terrassenwein ist auch der Saignée-Saft des Rosé-Weines, der ebenso frisch und fruchtig seine Farbe dauerhaft behalten wird. Nicht zu wuchtig wirkt der „2012er Himmelreich Blaufränkisch“, der nach 18 Tagen Maischestandzeit im Barrique ausgebaut wurde und durch eine vergleichbare fruchtige Frische gefiel der „2012er Rothenberg St. Laurent“, den Napoleon nach Deutschland gebracht hat.. Als Gaumenfinale genossen wir den „2011er Kirchberg Cuvée M“, benannt nach dem Sohn Markus, der während seines Studiums die internationalen Rebsorten Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet franc schätzen lernte und damit Papis beste Lagen bepflanzte. Ausgewogen, dicht und mit viel Potential präsentierte sich dieser Wein und bei dem Geschmackseindruck wäre wohl der Klimawandel die geringste Existenzberechtigung.

 

Ein abwechslungsreicher Weinerlebnistag verging wie im Flug und wir befanden uns wieder auf der Heimfahrt. Ganz herzlichen Dank an Karl-Ernst Schmitt und Wolfgang Heinrich für die Organisation der Tour und der Vorproben sowie an unseren Fahrer Herrn Schwarz, der zum Gelingen der Revival-Tour beigetragen hat.

 

Regina Brendle, Juni 2016

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