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DATUM: Friday, 08.07.2016,  19:30 Uhr
ORT: Heinrich-Fries-Haus

"Heilbronner Weingeschichten, anno dazumal"

Vom Küfermeister Wilhelm Herold erzählt uns Weinschwester Dodi Braun-Ribbat, Kellermeister Wolfgang Heinrich kredenzt uns dazu feine Heilbronner Gewächse.

 

Bei einer Weinprobe mit Lokalkolorit am 08.07.2016 referierte Dorothea Braun-Ribbat über den Heilbronner Küfermeister Wilhelm Herold und Kellermeister Wolfgang Heinrich präsentierte dazu Weine aus Heilbronner Traditionslagen, wie sie z.B. auch auf einer antiken Weinkarte, welche die Rückseite der Probenfolge war, noch erwähnt waren.

Wilhelm Herold wurde 1874 in Heilbronn geboren und im Jahre 1901 Küfermeister. In diesem Jahr heiratete er Marie Föll, die ebenfalls einer Küferfamilie entstammte. Herold wurde Kellermeister der frisch entstandenen Winzergenossenschaft, baute auch für selbständige Winzer den Wein aus und war in seiner Eigenschaft als Holz- und Weinküfer sowie als Weinexperte hoch geschätzt.

Die erste Weinpaarung, ein 2015er Riesling „N“ trocken des Weinguts Schäfer-Heinrich und ein 2014er weißer Burgunder Edition S im Holzfass gereift des Weinguts G.A. Heinrich hätten wohl kontrastreicher nicht sein können: Das mit „N“ bezeichnete, sich selbst überlassene Naturgewächs aus der Lage „Weißhälde“ innerhalb des Stiftsbergs bringt einen Wein mit angenehmem Trinkgenuss hervor, während hingegen der mit allen önologischen Finessen bedachte Weißburgunder aus dem „Hunsperg“ mit gut eingebundenen Holztönen und Vanillearomen überzeugt.

Die Markung der Stadt Heilbronn, so Wolfgang Heinrich, ist in 6 Gemarkungen unterteilt, diese wiederum in Gewanne und danach in Flurstücke. 900 Gewanne gibt es im Stadtbereich, davon 150 im Stammbereich rechts des Neckars. Aus solchen Lagen stammten der 2012er Hunsperg Riesling trocken Großes Gewächs des Weinguts Drautz-Able und der 2014er weiße Riesling Sonnenstrahl Große Lage vom Wartberg des Weinguts Kistenmacher-Hengerer, beide erstklassige Vertreter ihrer Sorte und wunderbar reif. Der Wartberg, dessen ältere Bezeichnung Nordberg oder „Auberg“ war, ging 1146 von den Grafen von Calw in den Besitz des Klosters Hirsau über. Der Name „Sonnenstrahl“ geht auf Wilhelm Herold zurück, der als Marketingexperte schon solche Namen vergab. Ihm gelang es auch, 1921 die erste Weinmesse nach Heilbronn zu bringen. Zwei weitere typische Heilbronner Gewächse sind der 2015er Muskateller trocken 3 Tauben des Weinguts Drautz-Able, einem finessenreichen Jungfernwein aus der östlich ans Betriebsgelände grenzenden Raffeltersteige und der 2015er Gelber Muskateller des Weinguts Kistenmacher-Hengerer aus dem Oberen Wartberg mit feinen Muskatnoten. Die Raffeltersteige wurde erstmalig 1753 auf einem Waldstein mit einem Gesicht und breitem Maul – einer „Raffel“ erwähnt.

Überleitung zu den Rotweinen waren 2 interessante roséfarbene Weine: der 2014er Rosé trocken des Weinguts Drautz-Able aus Spätburgunder und Schwarzriesling aus der Lage Sandberg mit Kirschen- und Brombeeraromen und ein einmaliger 2015erWeißherbst aus Clevner desselben Weinguts mit Aromen von Süßkirschen aus der Lage Schützenbrunnen am Nordhang des Wartbergs. Auch Herold hatte zu seiner Zeit schon Cuvées gemacht und war bekannt für seine Weinzunge, die Terroirs unterscheiden konnte. Nicht fehlen darf bei einer solchen Probe der Trollinger und so verkosteten wir einen 2014er Trollinger „Alte Reben“ des Weinguts G.A. Heinrich und einen 2013er Trollinger trocken 3 Tauben des Weinguts Drautz-Able, zwei Weine, die beide aus 45 Jahre alten Reben einen ganz ähnlichen Typus Trollinger hervorbringen. Ein Beweis dafür, dass Württemberg auch Spätburgunder kann, waren die beiden folgenden Weine: 2011er G.A.1 Spätburgunder im Barrique gereift vom Weingut G.A. Heinrich, als bester Spätburgunder Württembergs gepriesen aus der Lage Löwenherz und der hervorragende 2012er Spätburgunder trocken *** im Barrique gereift vom Weingut Schäfer-Heinrich vom Heilbronner Stiftsberg. Wolfgang Heinrich klärte uns darüber auf, dass Löwenherz nichts mit Löwen zu tun hat, sondern von den alten Wörtern „Lô“ oder „Lew“ für Gerberlohe kommt, die aus den Rinden der Eichen gekocht wurde, die in dieser Lage standen. Der Stiftsberg, so Heinrich, wurde urkundlich erstmalig 1281 erwähnt und gehörte früher dem Stift Comburg, dem Kloster Schöntal, dem Clarakloster und dem Stift Wimpfen. Zwei Raritäten beschlossen die Probe: 2013er Heilbronner Stiftsberg Clevner „N“ trocken des Weinguts Schäfer-Heinrich und ein 2012er blauer Spätburgunder *C* trocken des Weinguts Kistenmacher-Hengerer, hinter dem sich ein Clevner verbirgt, beides herausragende Weinpersönlichkeiten mit großer Tiefe und reifem Geschmack.

Von einem der größten Verdienste Wilhelm Herolds profitieren wir heute noch: er nutzte die Glasflasche zum Haltbarmachen und zum Transport der Weine, uns erleichtert Sie den Kauf der edlen Heilbronner Gewächse aus besten Lagen – auch wenn sie heute zum Teil andere Bezeichnungen haben.

Herzlichen Dank an Dorothea Braun-Ribbat für den informativen Vortrag über Wilhelm Herold und an Wolfgang Heinrich für die minutiöse Erforschung der Heilbronner Weinlagen und die tolle Auswahl der dazu passenden Weine.

Regina Brendle, Juli 2016

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