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DATUM: Friday, 09.12.2016,  19:30 Uhr
ORT: Heinrich-Fries-Haus

"Best of ... - Eintagsflieger oder Überflieger ?"

Bestätigen auch jüngere Jahrgänge die hohen Qualitäten der bestbewerteten Probenweine vergangener Jahre? Bruderschaftsmeister Karl-Ernst Schmitt wird sich dieser Frage annehmen.

 

„Best of….“ Premiumprobe zum Abschluss des 25jährigen Jubiläumsjahres

Unter dem Titel „Best of…“ Eintagsfliegen oder Überflieger stand die Abschlussprobe im 25jährigen Jubiläumsjahr der Weinbruderschaft Heilbronn e.V., zu der Hartmut Clemens die Mitglieder und Gäste sowie als Vertreter der Presse Kilian Krauth herzlich begrüßte. Mit Spannung erwartet wurden die Weine, die Karl-Ernst Schmitt unter den am besten bewerteten der letzten 25 Jahre ausgesucht und in neueren Jahrgängen besorgt hatte. Dabei wurden immer in Anlehnung an den Artikel 2 unserer Satzung Weine aus den Anbaugebieten der Welt aber auch unserer besonderer Verpflichtung zur Regionalität folgend, heimische Weine verkostet.

Bei der ersten Weinprobe der Bruderschaft überhaupt, so Schmitt, war der Grüne Veltliner „Achleiten Federspiel“ trocken von Josef Jamek, heute aus dem Jahrgang 2015, am besten bewertet worden. Gewachsen auf verwittertem Urgestein wirkt er mineralisch, leicht und elegant. Wohl aus einer anderen Klasse Grüner Veltliner war der „Steinsetz trocken“,  gleichen Jahrgangs von Schloss Gobelsburg, dessen Intensität, Tiefe und Ringloaromen seine Unverwechselbarkeit begründen. In die Welt der exotischeren Rebsorten wurden wir von einem der regionalen Nummer-1-Winzer entführt: der 2015er „Sauvignon blanc Große Reserve“ trocken des Weinguts Aldinger in Fellbach gefällt durch grüne Primäraromen und stringente Frische. Ein Ausflug ins Friaul mit dem „2014er Biancosesto Friuli Colli DOC La Tunella“ zeigt die Komplexität der autochthonen Rebsorten Ribolla gialla und Friulano, die geschmacklich an Birnen und grüne Bananen erinnern. Nicht fehlen darf in einer solchen Probe ein Nahe-Riesling und wer außer Emrich- Schönleber mit seinem 2013er „Monzinger Halenberg“Riesling GG könnte in diese prominente Reihe besser passen? In seiner Eleganz und Dichte ist er schon sehr gereift und gilt als Spitzenriesling.

Mit einem 2013er St. Michaelsfeder Lemberger GG“ von einem der besten Winzer Württembergs, Ernst Dautel, wechselten wir zu den Rotweinen. Rösttöne in der Nase, Brombeertöne im Geschmack war dies – wie der Winzer selbst - ein Wein mit Ecken und Kanten. Ganz anders präsentierte sich der 2013 „Fellbacher Lämmler Lemberger GG“ des Weinguts Aldinger – dunkle Beerentöne und tiefe Frucht ergänzen sich harmonisch in Nase und Gaumen und bilden eine Einheit. Ein Ausflug nach Süditalien führte uns in ein schon von Titus Livius beschriebenes Weinanbaugebiet: Taurasi. Dort gedeiht auf bis zu 1200 m Höhe die Allianico-Rebe, die auch den 2010er „Radici Taurasi DOCG“ Mastroberardino; Altripalda, mit seinen tiefen Schwarzkirsch- und feinen Mandelaromen hervorgebracht hat. Seine südliche Herkunft, die sich vor allem durch den dominanten Alkohol und die dichte Frucht offenbart, konnte der 2013er „St. Michel Côtes du Roussillon“, eine Cuvée aus Mourvèdre und Syrah nicht verbergen. Von einem der Schauplätze des „Winzerkönigs“ kam der 2013er „Solitaire“ von Feiler-Artinger, aus Rust am Neusiedlersee, einer Cuvée aus Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon und Merlot, die mit dunklen Fruchtnoten noch ansprechende Säure bietet. Eine perfekte Cuvée zum jetzigen Zeitpunkt war der 2013er „Nicodemus HADES“ von Jürgen Ellwanger, dessen Kompetenz durch den bereits mehrfachen Gewinn des Deutschen Rotweinpreises bewiesen ist; ein Wein, der mit Frische, Frucht und langem Abgang dem Gaumen schmeichelt. Zum Abschluss genossen wir eine Rarität: 2014er „Anima Negra AN/1“ aus Mallorca aus autochthonen Rebsorten: würzig, körperreich und sehr harmonisch.

Fazit: Wie erwartet gab es in dieser Verkostung „Eintagsfliegen“, bei denen man sich fragte, wie diese wohl damals geschmeckt haben mögen und „Dauerbrenner“, die verlässlich immer gut sind. Nur eines darf man darüber auch nicht vergessen: Wein ist ein Hobby, das mit sich entwickelndem Geschmack auch immer anspruchsvoller und  - teurer wird.

Ganz herzlichen Dank an Karl-Ernst Schmitt für die akribische Zusammenstellung der Weine und die historische Kommentierung der Probe. Dank an Wolfgang Heinrich fürs Temperieren der Weine und die weihnachtliche Dekoration und Stephan Kurz und Thomas Drachler fürs Einschenken.

Regina Brendle, Dezember 2016

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