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DATUM: Friday, 10.03.2017,  19:00 Uhr
ORT: Weingut Schäfer-Heinrich

"„ÖCO-Wein ist in“: Besuch des Weingutes Schäfer-Heinrich in Heilbronn"

Wir sind zu Gast im Heilbronner ECOVIN-Weingut von Elke und Andreas Hieber, das heute zu den bekanntesten ECOVIN-Betrieben in Württemberg zählt.

 

Einen interessanten Einblick in die Welt der Bioweine bekamen die Mitglieder und Gäste der Weinbruderschaft Heilbronn e.V. beim Besuch des renommierten und bekannten ökologischen Weinguts Schäfer-Heinrich in Heilbronn am 10.03.2017. Andreas und Elke Hieber haben den Betrieb 1986 übernommen und waren schon damals vom ökologischen Gedanken beseelt, um 1990 endgültig umzustellen.

Mit einem leichten frischen 2015er Rivaner vom Heilbronner Stiftsberg, dessen Nase eher an einen Sauvignon blanc erinnerte, begann die Probe, gefolgt von einer Weißweincuvée desselben Jahrgangs vom bunten Mergel, mit deren Sorten Sauvigné gris, Grauburgunder, Riesling und Kerner Andreas Hieber das Geschmacksbild eines duftigen Sommerweines bestens herausgear-beitet hatte. Etwa 40 % der Fläche sind mit Weißwein bestockt, die Spezialität des Weinguts ist der Riesling, was der dreistufige Rieslingflight des Jahrgangs 2015 vom Heilbronner Stiftsberg bewies: Der naturbelassene, spontanvergorene Riesling N trocken soll ein Weinjahr im Glas reflektieren, was sich in Mineralik, exzellenter Frucht und reifer Säure ausdrückt. Die Spätlese trocken ** mit hohem Weinsäuregehalt beeindruckt mit gelben und orangen Fruchtaromen und die Auslese trocken ** mit saftiger Fülle, Aromen von reifen Birnen und Potential. Am Ende der Weißweinverkostung genossen wir eine Rarität aus dem Burgunderglas: 2015er Grauburgunder Auslese trocken***, dessen betörende Rosenaromen im Einklang mit dem Honigmelonenaroma standen und diesen außergewöhnlichen Wein auszeichnen. Zu den Weinen genossen wir ein reichhaltiges Vesper.

Bioweinbau, so Andreas Hieber, ist auch deshalb sinnvoll, wenn man den Betrieb an die Kinder weitergeben möchte. Die Landesregierung in Baden-Württemberg hat 20% der Anbaufläche als Bio zum Ziel, derzeit sind es nur 4-6%, der Durchschnitt in Deutschland liegt bei 6,5 %. Der Mehraufwand, der u.a. durch prophylaktische Spritzungen entsteht, kann jedoch im Gegensatz zu anderen Bio-Produkten nicht über den Preis weitergegeben werden.

Mit beerigen Aromen stimmte uns ein 2015er Regent vom Heilbronner Stiftsberg auf die Rotweine ein, gefolgt von einem fruchtigen Trollinger gleicher Lage und Jahrgangs, der nicht nur zum Weitervespern, sondern auch Weitertrinken animierte. Schlanke Eleganz verriet die burgundische Herkunft des Klons des 2014er Pinot Noir trocken** der auch vom Anbau her eine Diva ist. Außerplanmäßig präsentierte uns Andreas Hieber mit dem 2015er Clevner eine aussterbende Heilbronner Spezialität, die wohl noch warten kann bis zum idealen Genusszeitpunkt. Ganz anders dagegen der 2015er Lemberger trocken**, der durch verschiedene Holzfassbelegungen bereits reife Gerbstoffe und Fruchtaromen hat. „Was ist das?“ ist im Weingut Schaefer-Heinrich keine Frage, sondern eine Cuvée aus Cabernet Cortis und Dornfelder, die unbehandelt, ungeschwefelt, unfilitriert vom gebrauchten Barrique in die Flasche gefüllt wird und ihren Charakter viertelstündlich im Glas ändert; eine interessante Erfahrung, die sich merklich abhebt von der 2013er Cuvée CM trocken*** aus Cabernet Cubin und Merlot und mit balancierten Tanninen und Fruchtaromen den Abend beschließt.

Am Ende reift die Erkenntnis, dass ökologisch erzeugter Wein gute, charaktervolle und interes-sante Weine hervorbringt, die man guten Gewissens genießen kann – auch in Zukunft. Herzlichen Dank an Elke und Andreas Hieber für den freundlichen Empfang, die Bewirtung und die professionelle Kommentierung.

Regina Brendle, Januar 2017

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