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DATUM: Saturday, 24.06.2017,  und Sonntag, 25.06.2017
ORT: Detaillierte Info erfolgt noch.

"Zweitägige Exkursion in das Wein-Anbaugebiet Saar"

Ein kleiner aber exzellenter Teil des Anbaugebietes Mosel ist die Saar. Mineralische, faszinierende Rieslinge sind das Markenzeichen berühmter Weingüter. In einer zweitägigen Exkursion wollen wir einige dieser Betriebe besuchen. (Busfahrt)

 

„Wir machen eine Fahrt ins Land der hocheleganten Rieslinge“, so verheißungsvoll stimmte Bruderschaftsmeister Karl-Ernst Schmitt die Mitglieder der Weinbruderschaft Heilbronn e.V. auf die Fahrt an die Saar am 24./25.06.2017 ein. Ergänzt wurde sein Versprechen durch die Ausfüh-rungen von Eberhard Bauer zu Geologie und Klima an der Saar, deren Weine später reifen, höhere Säurewerte haben und sich durch ihre lange Lagerfähigkeit auszeichnen.

Schon bald kamen wir beim Weingut von Hövel an, wo uns Max von Kunow bereits erwartete und noch vor den Toren einen geschichtlichen Abriss über sein Weingut und seinen Werdegang gab. Sein 22 ha Anbaufläche umfassendes Weingut ging aus einem ehemaligen Kloster hervor, Napoleon probierte 1805 in Trier seinen besten Weißwein, was den Dom vor der Säkularisierung bewahrte und er selbst wird bald eine Nachfahrin der Bonaparte-Familie heiraten. Von Kunow gab seine politische Karriere zugunsten des Winzerberufs auf, brilliert als Weinauktionator und baut seine Weine nach dem zertifizierten „Fair’n Green“-Prinzip ohne Reinzuchthefen, Schönung, Herbizideinsatz und unter großem Aufwand auf den dortigen Muschelkalk- und Schieferböden aus. Nach dem Besuch des von seinem Vater initiierten Korkenziehermuseums und des mit gesundem Schimmel und alten Fässern bestückten Kellers sollten wir das Ergebnis solcher Bemühungen – ausschließlich Rieslinge mit niedrigem pH-Wert- auch verkosten. Crémant gab es keinen mehr, doch dafür entschädigte uns der 2016er Saar Riesling Qualitätswein trocken, einer der wenigen trockenen Weine seines Sortiments. Bemerkenswert: Seine gute Beziehung zu Lea Linster mündete im Crossmosel-Weinprojekt, aus dem der 2016er LMEAXX, ein Saar Riesling Qualitätswein feinherb als „Vin gastronomique“ hervorging. Die Monopollage „Hütte Oberemmel“ bedarf besonderer Erwähnung, da sie als Einzellage zur Großlage werden sollte, aber durch Initiative seines Vaters und Zukäufe blieb diese Schiefer-Verwitterungslage mit 75 % Steigung, wo früher Vieh gehütet wurde, in Familienbesitz und bringt sehr ansprechende Weine mit Aromen von Maracuja, Lychee und Kräutern hervor. Höhepunkt einer jeden Saar-Probe ist der Wein vom Scharzhofberg (nicht zu verwechseln mit der genossenschaftlichen Großlage Scharzberg). Die Weine aus dieser weltbekannten, renommierten Einzellage überzeugen durch Mineralik, salzige Aromen und Komplexität, die eine Haltbarkeit für die „Ewigkeit“ fast garantieren. Keine „Micky-Maus-Brühe“ (was auch immer das sein mag) und keine Weine
für A………r, sondern „Weinkulturdenkmäler“, das ist das was Max von Kunow erzeugt und seinen Kunden näherbringen will. Wir haben verstanden. Auf der Fahrt zur Mittagspause im Restaurant Klostermühle in Ockfen machten wir kurz Halt mit Blick auf den legendären Scharzhofberg – und seine Steillagen.

Nachmittags stand der Besuch des Weinguts Van Volxem in Wiltingen auf dem Programm, wo wir auf der Gartenterrasse mit einem erfrischenden Weißburgunder begrüßt wurden, bevor uns der Inhaber, Roman Niewodniczanski zur Probe in den Jugenstilsaal geleitete. Er hatte vor 16 Jahren das ehemalige Klosterweingut übernommen und hat den Ehrgeiz, dieses mit seinen Ries-lingen, die alle als Naturweine in Steillagen auf Schiefer angebaut werden, wieder zur Weltklasse und Exzellenz zurückzuführen. In alten Weinkarten der Luxushotels in New York und Paris wurden vor ca. 100 Jahren für Weine aus diesen Lagen höhere Preise als für die französischen Kultweine aus dem Bordelais und dem Burgund verlangt und bezahlt Dem sich zu „Mittelmaß“ bekennenden deutschen Verbraucher steht er sehr kritisch gegenüber. Schon der Schiefer-Riesling, der einfachste Wein verkörpert einen Teil der Trinkfreude, die er vermitteln möchte und so widmeten wir uns intensiv den in homöopathisch ausgeschenkten Dosen seiner Rieslinge, die auch aus der Lage Scharzhofberg kamen und die Mineralik des Rotschiefers elegant ins Glas brachten. Höhepunkte waren sicherlich die Rieslinge aus alten Reben der Lagen Gottesfuss und Altenberg, dessen 2007er aus über 100 Jahre alten, wurzelechten Reben mit komplexen Aromen von Quitte, Mirabelle und mineralischer Komplexität für jeden Rieslingtrinker die Erfüllung darstellen mussten. Im härtesten Stein wächst der beste Wein und wo ein Pflug kann gehen, keine Rebe soll stehen“, mit diesen Leitmotiven geht Niewodniczanski sein neuestes Projekt, die Renaturierung des Geissbergs an, denn: „Im kühlen Klima entstehen die feinsten Fruchtaromen“. Nach dieser beeindruckenden Weinverkostung sorgte ein unbeabsichtigter Rucksackverwechs-lungstrick unseres Weinbruders Didi Schäfer für leichte Verwirrung und brachte alle im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, so dass wir leicht be-schwingt zum Einchecken ins Hotel „Saargalerie“ nach Saarburg abfahren konnten. Dort stand der Abend zur freien Verfügung und man fand sich doch schnell an entsprechenden Plätzen mit Theken an den Ufern oder auf der Burg hoch über der Saar wieder.

Tags darauf besuchten wir das Weingut von Stefan Zilliken in Nittel, wo wir mit einer Spezialität, einem 2014er Crémant brut vom Elbling auf der Terrasse empfangen wurden, der die Ge-schmacksknospen an diesem Morgen zart wachküsste. Zilliken hat die Rebsorte, die früher zur Belieferung großer Sekthäuser in Trier verwendet wurde, und deren Ruf konsequent aufgewertet durch Ertragsreduzierung und Qualitätsverbesserung. Auch der nachfolgende daraus gekelterte Wein mundete uns gut. Der kurze Regenschauer konnte uns den Genuss der auf Rotschiefer gewachsenen Rieslinge nicht verderben, die z.T. auch von seinem Bruder, dem Forstmeister Geltz in Saarburg stammten. Die Präsentation des Weißburgunders wurde von seiner Frau in Originaldialekt dargeboten, was für uns dialekterfahrene Schwaben kein wirkliches Problem darstellte – Fazit: der Herrgott hat doch immer Erbarmen und jedes Jahr wird der Wein besser als der des Vorjahres, was wir nur bestätigen konnten.

Nach einer sehr informativen und ausgedehnten Weinverkostung nahmen wir dort auch unser sehr gutes Mittagessen ein und die daran anschließenden Weinkäufe machten eine Weinbergbegehung überflüssig.

So fuhren wir von neuen Riesling-Eindrücken erfüllt zurück in die Heimat und ein launiges Schlusswort von Hartmut Clemens ließ uns noch einmal auf das Erlebte zurückblicken.

Die Saar – kleine Schwester der Mosel oder aufstrebende große Konkurrentin? Wir trafen PR-erfahrene, innovative Winzer mit Ideen und Visionen und erdverbundene, bodenständige Men-schen, die zum Erhalt der Tradition und deren Ausbau beitragen. Wir werden die Entwicklung im Auge behalten.

Ein großes Dankeschön geht an Karl-Ernst Schmitt und Ilse-Marie Litfin für die minutiöse Vor-bereitung und Planung unseres Ausflugs, wo sich uns Türen öffneten, die sonst für Gruppen ver-schlossen sind.

Regina Brendle, Juni 2017

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