Weitere Informationen

Text drucken

Fenster schließen

 
DATUM: Saturday, 23.09.2017,  
ORT: Ludwigshafen

"Der Weinkeller der Firma BASF in Ludwigshafen"

Wir besuchen einen der größten Weinkeller Deutschlands. Danach führt uns Weinbruder Andreas Leonhardt nach Mußbach in die Weinstube „Eselsburg“.(Busfahrt)

 

Exkursion zum Weinkeller der BASF in Ludwigshafen

Hört man den Namen BASF, so denkt jeder wohl zuerst an Chemielabore, rauchende Industrieschornsteine, Arznei- und Düngemittel aber wohl zuallerletzt an einen Weinkeller. Doch - es gibt ihn und so fuhren Mitglieder und Gäste der Weinbruderschaft Heilbronn e.V. am 23.09.2017 bei bestem Herbstwetter unter der Regie von Andreas Leonhardt in Richtung Ludwigshafen, um diesen zu besichtigen und dort eine Weinprobe zu genießen.

Begrüßt wurden wir dort - aber erst nachdem jeder ein volles Sektglas in der Hand hatte - von Janina Huhn, die 2014/15 deutsche Weinkönigin war, und die ein „Prosit“ vor den folgenden fachlichen Ausführungen priorisierte. Der kredenzte Rieslingsekt brut des Reichsrats von Buhl konnte die Champagnererfahrungen und französische Herkunft des derzeit dort tätigen Kellermeisters nicht verbergen und erfrischte uns aufs Beste. Der Weinkeller wurde im Anschluss an die Fertigstellung des „Gesellschaftshauses“ der BASF im Jahre 1901 gegründet und hat heute eine Fläche von 4000 qm. Ursprünglich gedacht zur werkseigenen Versorgung und um die „Chemielegionäre“ durch die Möglichkeit des Bezugs von günstigem Wein, der z.T. auch im Werk ausgebaut wurde, bei Laune zu halten, wurden im Jahr 1965 1,8 Mio. Flaschen an Mitarbeiter verkauft. Doch das Finanzamt – Stichwort „geldwerter Vorteil“ - setzte dem Ganzen 1971 ein jähes Ende. So hat der Weinkeller heute einen bedeutenden Onlineshop, der ein vielfältiges, regionales und internationales Angebot bietet und für den renommierte Winzer auch Exklusivabfüllungen ausbauen. Wir besichtigten den jeglicher Gewölbekellerromantik entbehrenden und eher an Lagerhallen erinnernden Weinkeller und dessen Abteilungen, wie den Bordeaux-Weinkeller, die Schatzkammer, die viele Weinkennerherzen höher schlagen ließ, den Überseekeller und den Petruskeller, wo der Vorstand heute noch gerne mit prominenten Persönlichkeiten tagt. Der Weinausbau wurde von BASF im Jahre 1989 wegen des Glykolskandals, des Alkoholverbots auf dem Werksgelände und der Rezession aufgegeben.

In einem früheren Abfüllraum fand dann unsere Verkostung statt, die dem Jahresthema der Weinbruderschaft „Riesling“ Rechnung trug und mit dem 2016er Riesling No.1 trocken des Pfälzer Shootingstars Markus Schneider aus der Pfalz und dessen exotischen Aromen begann. Als Blindverkostung wurden die nächsten drei Rieslinge probiert, deren Terroirs sich dem Gaumen erschließen sollten: der 2015er Wiltinger Riesling trocken von Van Volxem mit typischem „Moselböckser“, der traditionelle 2015er Birkweiler Riesling aus dem Rotliegenden trocken mit Limettenaromen und der klassische 2015er Schloss Johannisberger Riesling Gelblack trocken vom Renommierweingut Schloss Johannisberg. Die Hälfte der Belegschaft des Werks wohnt in Deidesheim, weshalb das Sortiment von dort sehr breit ist und so verglichen wir zwei Rieslinge der dortigen Lage „Grainhübel“: den 2015er Riesling GG BASF Exklusiv aus der Magnumflasche von Dr. von Bassermann-Jordan mit schlanker Eleganz und den 2016er Riesling alte Reben trocken BASF Exklusiv von Jul. Ferd. Kimich, Pfalz, der mit opulenter Frucht, Pfirsich- und Aprikosennoten die Lust auf mehr weckte. Eine Rarität war der 2016er Ungsteiner Rote Riesling SP, dessen kräuterige Würze wieder den Gaumen aufweckte. Der Überraschungswein war aus einer der berühmtesten Lagen der Welt für Riesling, ein 2012er aus dem Kirchenstück des Reichsrats von Buhl, überzeugend mit einer komplexen Aromatik tropischer Früchte. Eine Steigerung war noch möglich: der 2007er Forster Jesuitengarten Riesling Auslese des Dr. von Bassermann-Jordan schmeichelte dem Gaumen mit noch mehr Reifetönen und Anklängen an Honig und frische Brioche. Ganz herzlichen Dank an Janina Huhn für die Auswahl der Weine und die charmante und kompetente Führung durch Keller und Weinprobe.

Im stilvollen Restaurant Eselsburg in Mußbach fand diese gelungene Exkursion bei Pfälzer Spezialitäten und Weinen einen gemütlichen Ausklang vor der Heimfahrt. Ein großes Dankeschön geht an Andreas Leonhardt für die Organisation und Durchführung der Kellerbesichtigung und Weinspende sowie des Restaurantbesuchs. Dank auch an Karl-Ernst Schmitt für die Organisation des Busunternehmens.

Regina Brendle, September 2017

nach oben