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DATUM: Friday, 20.04.2018,  19:00 Uhr
ORT: Weingut Merkle in Ochsenbach

"„Weinhefen; Wildspontan“ - Vinifizierung mit neu entwickelten Weinhefen."

Dem Weingut Merkle in Ochsenbach, ist es gelungen, in einem Forschungsprojekt mit der FH Heilbronn, echte eigene Wildhefen zu entwickeln. (Busfahrt!)

 

Am 20.04. 2018 fuhren Mitglieder und Gäste der Weinbruderschaft Heilbronn e.V. zum Weingut Merkle in Ochsenbach, um vor dem Hintergrund des Jahresthemas „Entwicklungen und Innovationen im Weinbau“ ihr Wissen über Hefen im Weinbau zu vertiefen.

Nach einer herzlichen Begrüßung durch die Familie Merkle bei einem fruchtig frischen Spätburgunder Rosé Sekt erfuhren wir erste Details über die besondere Geologie der Ochsenbacher Schicht, deren Umkehrrelief den Stubensandstein an der Oberfläche, und den Muschelkalk in größerer Tiefe in sich trägt. Die Familie Merkle hat den Betrieb 1988 vom Großvater übernommen und bewirtschaftet heute 12 ha, davon 40 % Weißwein und 60 % Rotwein. Von oben genannter Hochebene probierten wir den ersten Weißwein, einen 2016er Müller-Thurgau Hochebene, dessen Standzeit von 48 h sicher zu dessen Cremigkeit und Aromen von gelben Früchten beitrug und der im 2017er Müller-Thurgau Fine white Orange eine weitere Steigerung an Komplexität und ausgeprägter Struktur erfährt.

Doch dass dies nicht das ganze Geheimnis ist, erfuhren wir von Sohn Sandro, einem exzellenten und innovativen Weinbautechniker, der in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Michael Brysch-Herzberg und der FH Heilbronn ein Projekt startete, bei dem lokale Wildhefen bei der Gärung zum Einsatz kommen und somit eine regionale Artenvielfalt garantieren und einen großen Einfluss auf den Geschmack des Weines haben. So zeigt sich der 2016er Riesling Steillage fruchtbetont und mit niedriger Säure und der 2017er Riesling Meilenstein bezieht seinen Namen daher, dass erstmals keine Apfel- und Milchsäure den Weingenuss beeinträchtigen. Steigerung des Rieslinggenußes war Frau Merkles Lieblingswein, die 2015er Riesling Auslese aus der Steillage; cremig, karamelig und mit Bergamotte-Aromen.

Verschiedene Hefen eignen sich für verschiedene Weine und Temperaturen und so ist Sandro Merkle pro Tag 2-3 Stunden mit Hefen beschäftigt. Beim 2016er Lemberger Steillage trocken gibt es dem Wein Schmelz und Aromen reifer Früchte, die beim 2015er Lemberger Spätlese trocken, der zum Teil in gebrauchten Barriques ausgebaut wird, noch deutlicher hervortreten. Auch der Samtrot wird in Ochsenbach gepflegt, der 2016er überrascht jedoch durch seinen trockenen Ausbau. Der 2014er Spätburgunder Spätlese Löwenportal hat sicherlich Potential, wird wohl aber erst in 3-5 Jahren seinen Höhepunkt erreicht haben. Krönender Rotweinabschluss war der 2011er Lemberger Seguin Moreau, der in Fässern einer speziellen Tonnelerie ausgebaut wurde und mit reifen Beerenaromen, Dichte und harmonisch eingebauten Röstaromen überzeugte. Reparaturschluck – Muskattrollinger Steillage – wer‘ s mag!

Ganz herzlichen Dank an die Familie Merkle für die ausführliche und fachlich kompetente Veranstaltung, wir haben alle viel dazugelernt und unseren önologischen Horizont erweitert.

Regina Brendle, April 2018

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