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DATUM: Saturday, 09.06.2018,  Info erfolgt noch.
ORT: Remstal

"Weinkulturelle Tagesexkursion in das Remstal"

„Wein und Kunst“ wollen wir an diesem Tag in dem benachbarten Anbaugebiet mit seinen renommierten Weinbaubetrieben und der Kunst im Weinberg erleben. (Busfahrt!)

 

Weinkulturelle Tagesexkursion ins Remstal

Bei schon fast obligatorisch schönem Ausflugswetter fuhren Mitglieder und Gäste der Weinbruderschaft Heilbronn e.V. auf landschaftlich schöner Strecke am 09.06.2018 vom Neckartal ins Remstal. Dort erwartete man uns bereits mit gedeckten Tischen im Innenhof des VDP-Weinguts Heid in Fellbach. Wir wurden von Markus Heid und seiner Frau mit einem 2014er Pinot Noir Sekt Rosé begrüßt. Reife Erdbeeraromen erfrischen den Gaumen an diesem warmen Frühsommermorgen und wir erfahren, dass man mit der Sektbereitung im Weingut auf 20 Jahre Erfahrung zurückblicken kann, keine „Champagnerkopien“ hervorbringen möchte und der Sekt erst vor 4 Wochen degorgiert wurde. Ein frischer 2017er „Schnaiter Altenberg Silvaner“ trocken überraschte uns mit Aromen von grünem Apfel, aber auch einer gewissen Adstringens. Im Demeter-zertifizierten Weingut Heid ist man auf die aromatische Reife der Weine bedacht und nicht auf „Oechsle-Jagd“. Dagegen erscheint der 2017er „Fellbacher Goldberg Sauvignon“ blanc trocken – zweitwichtigste Rebsorte im Weingut – fast als „Mainstream-Wein“ und trotzt damit der Philosophie des „Nicht-jedem-gefallen-wollens“. Gefälliger erscheint der 2016er „Riesling Steinmergel“ trocken, der nach malolaktischer Gärung und langem Hefelager angenehm weich mundet. Das Modethema „blanc de noir“ interessierte Markus Heid solange nicht, bis die Natur ihn förmlich dazu zwang, aus den nachgetriebenen Beiaugen seines Pinot meunier den 2017er „Fellbacher Goldberg blanc de noir“ trocken zu keltern, weil das Lesegut reif war und die Verweildauer auf der Presse kurz sein musste und so einen würzig frischen Wein ergab, dessen Burgundernoten gut erhalten blieben. Seine Verpflichtung zu Burgundersorten zeigte der 2016er „Pinot Noir Steinmergel“ trocken aus französischen Burgunderklonen und ausgebaut im großen gebrauchten 500-Liter-Fass mit Aromen von Sauerkirsche und Johannisbeeren. Auch Fans von kräftigeren Rotweinen kamen noch auf ihre Kosten: der 2015er „Syrah Melchisedec“ – benannt nach dem aus Heilbronn stammenden Vorfahr – überzeugt mit Aromen von Brombeeren, dunklen Früchten und Kirschen, die Tannine sind harmonisch eingebunden und kühl temperiert bereitet dieser auch bei sommerlichen Temperaturen Vergnügen – der Weg vom Remstal ins Rhônetal ist doch nicht so weit!

Nach einem schwäbischen Mittagessen im Gasthaus Löwen in Weinstadt-Großheppach besuchten wir am Nachmittag das VDP-Weingut Jochen Beurer in Kernen, wo wir uns erst nach einem schweißtreibenden Aufstieg zur Yburg endlich in deren Schatten niederließen. Nach einem Begrüßungsschluck Wasser gab es dann auch einen 2017er Weiß, eine Cuvée aus Müller-Thurgau, Sylvaner und Muscaris, einen leichten Sommerwein zum „nebenher“-trinken, so Jochen Beurer. Alle von ihm bereiteten Weine, so Beurer werden mit den Füssen eingetreten, mazerieren 1 Tag bis 3 Wochen, werden langsam gepresst und immer spontan vergoren. So probierten wir in Folge Ortswein-Rieslinge des Jahrgangs 2016 aus verschiedenen Bodenformationen und Lagen: einen mineralischen Wein aus dem „Gipskeuper“, einen Riesling vom „Schilfsandstein“ mit Aromen gelber Früchte und einen sehr mineralischen und durch die Lagerung im Holzfass geprägten Riesling vom „Kieselsandstein“. Eine Besonderheit war der Riesling „Junges Schwaben“ mit dichter, vollmundiger Tiefe, der komplett im Holzfass ausgebaut wurde. Die Trauben aus 3 verschiedenen Weinbergen prägten das ungewöhnliche Aroma des als Abschluss kredenzten Sauvignon blancs, der im Remstal sicher einmalig ist.

Fazit: Auf dieser Exkursion haben wir 12 Weine und 2 Winzer gleicher Klassifikation und Ausrichtung kennengelernt, wie sie jedoch unterschiedlicher kaum sein könnten – in jeder Hinsicht. Herzlicher Dank an Karl-Ernst Schmitt für die Organisation dieses Ausflugs und an die Winzer für die jeweilige Präsentation.

Regina Brendle, Juni 2018

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