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DATUM: Friday, 21.09.2018,  19:30 Uhr
ORT: Heinrich-Fries-Haus

"„Das Junge Franken“ – eine neue Winzergeneration!"

Eberhard Bauer und Karl-Ernst Schmitt werden uns Betriebe vorstellen, die heute von jungen Winzerinnen/Winzern geführt werden und deren Weine wir verkosten.

 

Ins Land des Frankenweins führte die erste Herbstveranstaltung des Jahres am 21.09.2018 Mitglieder und Gäste der Weinbruderschaft Heilbronn e.V. und unter der Moderation von Bruderschaftsmeister Karl-Ernst Schmitt und Eberhard Bauer erfuhren wir bei einem 2017er Escherndorfer Müller-Thurgau von Horst Sauer viel Wissenswertes über die Region, die Weine und die Winzer.

In einer Schenkungsurkunde Karls des Großen an Hammelburg wird im Jahre 777 Franken erstmalig erwähnt; der genussorientierte Herrscher förderte den Weinbau gern, was sich als Tradition in Klöstern und bei Großgrundbesitzern fortsetzte. Die Reblaus verursachte hier große Schäden, das Erbrecht sorgte für kleine „lumpen- oder lappenartige“ Parzellen und erst die Gründung von Weingärtnergenossenschaften und eine Flurbereinigung sorgten für das „Fränkische Weinwunder“. Derzeit stehen 6253 ha im Anbau, dessen Flächen zum Großteil mit Müller-Thurgau und Silvaner bestockt sind, den beiden Sorten, die auch an diesem Abend zur Verkostung kamen. Geologisch findet man die „Trias-Formation“ Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper, das Klima ist kontinental und der weit über die Grenzen hinaus bekannte „Bocksbeutel“ ein geschütztes Markenzeichen.

Vom Weingut Waigand, einem sehr kleinen, von steilen Lagen geprägten Weingut verkosteten wir den 2017er Müller-Thurgau trocken „Sommerfeeling“, der mit Duft nach weißem Blüten und leichten Fruchtaromen seinem Namen Ehren machte und den 2017er Silvaner Kabinett, trocken „Erlenbacher Hochberg“, der Mineralik und Fruchtnoten ausgewogen vereint. Der Müller-Thurgau ist eine der ältesten Neuzüchtungen der 70er Jahre und als Kreuzung zwischen Riesling und Madeleine royale mit den Eigenschaften der Rieslingtraube doch anspruchslos.

Vom östlichen Rand des Anbaugebiets waren die Weine des Weinguts Seufert, Iphofen, das als Silvanerweingut bereits den deutschen Rieslingpreis errungen hat. Wir probierten den 2016er Silvaner trocken aus der Spitzenlage „Iphöfer Kalb“ dessen Fruchtnoten von mineralischen Feuersteinaromaten unterstützt wurden. Der 2015er „Anarchie“ Silvaner trocken „Iphöfer Julius Echterberg“ ist kein alltäglicher Wein, er wurde im 500l-Holzfass ausgebaut, hat reife Vanilletöne und verändert sich ständig im Glas.

In Randersacker bewirtschaftet die Familie Schmitt schon seit über 100 Jahren die Weinberge – mit Erfolg, was sich schon beim 2016er Müller-Thurgau, trocken „Randersackerer Ewig Leben“, VDP Ortswein zeigt. Die feinen Muskattöne sind erst bei hohen Qualitäten wie dieser so deutlich und werden hier durch Quitten- und Zitrusnoten ergänzt. Ausgesprochen sortentypisch zeigt sich auch der aus über 45 Jahre alten Reben erzeugte 2017er Silvaner trocken, „Randersackerer Marsberg“, VDP 1. Lage.

Der Winzerhof Stahl in Auernhofen hat Parzellen in ganz Franken, der Ausbau der Weine im Edelstahl macht dem Namen alle Ehre: Der 2017er Müller-Thurgau trocken Damaszenerstahl aus der Lage „Hasennest“, die 68% Steigung aufweist, ist ein klar strukturierter Wein mit angemessener Mineralik, Minze- und Pfeffernoten. Der 2017er Silvaner trocken “Best of Edelstahl“ aus den besten Silvanerlagen hat ein duftiges Bukett und Aromate heller Sommerfrüchte.

Zurück zum Mainufer nach Escherndorf: Das VDP Weingut Rainer Sauer bewirtschaftet 15 ha in besten Lagen, der Sohn war 2011 Jungwinzer des Jahres und stellt den Betrieb sukzessive auf Biodynamik um. Der 2017er Müller-Thurgau trocken „Frank und Frei“ ist ein frischer, lebendiger Sommerwein, der 2017er Silvaner trocken „Freiraum“ wurde sehr lange kalt vergoren, was ihm exotische Fruchtaromen von Banane und Ananas verleiht.

In unmittelbarer Nachbarschaft ist das VDP Weingut Horst Sauer, der wohl renommierteste Betrieb in Franken, der 2002 den besten Weißwein weltweit erzeugte und dessen Tochter Sandra, die 2012 Weinkönigin war, bereits im Betrieb mitwirkt. Der 2017er Müller-Thurgau „S“ trocken „Escherndorfer Fürstenberg“ VDP 1. Lage ist ein eleganter, großer Wein mit feinen Muskatnoten, der 2017er Silvaner „S“ trocken, Escherndorfer Lump“ VDP 1. Lage umschmeichelt den Gaumen mit Aromen von reifen Äpfeln, gelben Birnen und feinster Mineralik.

Ganz herzlichen Dank an Karl-Ernst Schmitt und Eberhard Bauer für die kompetente Kommentierung und Präsentation dieser Weine sowie Kellermeister Wolfgang Heinrich für deren Temperierung und Stefan Kurz für den Service. Bleibt noch zu sagen „Frankenwein – schenk ihn ein“.      

Regina Brendle, Oktober 2018

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