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DATUM: Friday, 12.04.2019,  19:30 Uhr
ORT: Heinrich-Fries-Haus

"Europäische Bukettweine"

Die Weinwelt erlebt seit einigen Jahren eine Renaissance der Bukettweine. Weinschwester Dorothea Braun-Ribbat richtet diesen genussvollen Abend aus.

 

Unter dem Motto „colore – odore – sapore – Farbe – Duft – Geschmack“ hatten Dorothea (Dodi) Braun-Ribbat deutsche, und Wolfgang Heinrich ausländische Bukettweine zusammengestellt, die den Mitgliedern und Gästen der Weinbruderschaft Heilbronn e.V. am 12.04.2019 präsentiert wurden. Bukettsorten sind per Definition solche, welche eine starke Geruchsintensität sowie ein besonders ausgeprägtes, blumiges oder würziges Aroma haben.

Stellvertretend für Wolfgang Heinrich wurde die Probe der ausländischen Weine von Regina Brendle mitmoderiert, welche gleich zu Beginn zwei verschiedene Clairettes de Die der Domaine Poulet & Fils präsentierte; dem Kultschaumwein aus der südlichen Rhône, dessen Muskataroma sowohl zu Macarons, Eclairs und Madeleines wie auch als Apéro jederzeit beliebt ist. Der Legende nach soll ein Bauer aus dem Drôme-Tal im Sommer einen Krug Traubensaft, den er in einem Gebirgsbach kühlen wollte, vergessen haben und nach dem Winter hatte dieser sich auf wundersame Weise in einen süßen, prickelnden Wein verwandelt. Dies war der Grundstein der „Méthode dioise“, die bis heute darin besteht, den Most auf – 3 ° Celsius zu kühlen und dann zu vergären, was zu hohem Restzucker und niedrigem Alkoholgehalt führt und bei Verwendung der Rebsorten Clairette und Muscat des petits grains einen feinen Muskatton ergibt.
 
Sauvignon blanc und seine vielfältigen Facetten zeigten sich im Vergleich des 2017 Kreuznacher Rosenberg Spätlese trocken des Weinguts Mees, der mit Stachelbeeraromen vegetabil wirkte, des trockenen 2018er des Staatsweinguts Weinsberg, der schon etwas breiter daherkam und des 2018er Sancerre „Les Coinches“ des Weinguts Prieur et Fils, einem typischen Sancerre aus Steillagen, mineralisch, mit dem Duft von weißen Blüten und Birnenaromen und mit einem Ertrag von 2000 Flaschen in 2018 eine wahre Rarität.

Augenzwinkernd berichtete Dodi vom Traminer und dessen erotischer Symbolik für sie, bevor die Weine besprochen wurden. Fein strukturiert und mit angenehmer Säurestruktur ließ sich der 2017er Gewürztraminer des Weinguts Kettmeir aus Südtirol verkosten. Der 2015er Gewürztraminer Bollenberg von Château d‘ Orschwihr machte seiner Herkunft von einer der regenärmsten Weinbaulagen Europas und ehemaligem Ort des keltischen Sonnenkultes alle Ehre: intensiver Rosenduft und fruchtige Aromen von Pfirsich und Litschi zeichnen diesen Wein aus. Etwas verhaltener dagegen waren die Aromen des 2017er Traminer – S – vom Staatsweingut Weinsberg wahrnehmbar.

Ob Chardonnay als Bukettwein gelten kann sei dahingestellt, doch Dodi hatte sich um zwei Proben bemüht: Der 2018er „Erste Liebe“ vom Kreuznacher Rosenberg, der dadurch, dass er erst kürzlich abgefüllt wurde, nur wenig Bukett zeigte und der 2018er Kabinett trocken, des Weinguts Albrecht-Gurrath, Heilbronn, der feine Zitrustöne hervorbrachte.

Mit feiner, blumiger Aromatik des 2017er Muscat d‘ Eisenstadt, einer alten, fast ausgestorbenen Rebsorte, vom Weingut H.L. Menger, Eich, Rheinhessen begann der Vergleich von Muskatellern wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten. Der 2017er Goldmuskateller DOC der Kellerei Meran Südtirol besticht durch Orangen- und Zitrusaromen. Der 2015er Muscat Lucienne des Weinguts Gérard und Serge Hartmann, Voegtlinshofen, Elsass, beflügelt schon auf dem Etikett mit „le vin qui parle – der Wein der für sich spricht“ und „ouvre ton coeur – öffne Dein Herz“ die Sensorik seines Genießers bzw. Genießerin, bevor diese/r durch die intensiven floralen und üppigen Aromen die vom Winzer in mühevoller Handarbeit erbrachte Leistung würdigt. So verwundert es nicht, dass schon Römer, Griechen und Phönizier diese Traube schätzten. Übrigens: der heutige Rebname hat nichts mit dem Küchengewürz Muskat(nuss) zu tun.
Malvasier schmeckte zu seiner Zeit nicht nur Martin Luther, Dodi hatte ihn auf den Kanaren kennengelernt und beim einzigen Weingut in Deutschland, das ihn ausbaut – dem Weingut H.L. Menger, Eich, Rheinhessen einen 2017er Bornheimer Hähnchen für uns erstanden, dessen Mandelaromatik seine frühere Bedeutung als Dessertwein unterstrich.

Als Antwort auf Sauvignon blanc gibt es beim Weingut Weegmüller in Neustadt-Haardt, Pfalz eine 2017er Scheurebe trocken. Dort hat man sich auf diese Rebe spezialisiert und das Ergebnis ist ein leichter, frischer Sommerwein mit feinem Grapefruitaroma.

Für den Abschluss der Bukettweinprobe hatte Wolfgang Heinrich einen Wein aus der Bouquet-Traube entdeckt, den 2017er Sommerhäuser Reifenstein Spätlese des Weinguts Schloss Sommerhausen in Franken. Diese Rebsorte, eine Kreuzung aus Silvaner x Trollinger, galt als so gut wie ausgestorben und wird seit dem Jahr 2015 dort wieder ausgebaut. Mit Aromen zwischen Muskateller und Riesling ein exquisiter, wenn auch rarer Trinkgenuss.

Ganz herzlichen Dank an Dodi Braun-Ribbat und Wolfgang Heinrich für die Präsentation und Recherche von zum Teil nicht alltäglichen Bukettweinen mit Geschichte und Geschichten, für die Einführung in eine etwas andere Weinwelt und für eine Verkostung mit wenig technischen Daten, viel Lust am Wein und umso mehr am reinen Genuss. Vielen Dank auch an Thomas Drachler und Stefan Kurz für den Ausschank.

Regina Brendle, April 2019

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