Weitere Informationen

Text drucken

Fenster schließen

 
DATUM: Saturday, 15.06.2019,  Detaillierte Info erfolgt noch!
ORT: Stuttgart-Untertürkheim

"Tagesexkursion nach Stgt.-Untertürkheim"

In Untertürkheim verbreitet nicht nur die Firma Daimler ihren Glanz, sondern auch einige namhafte Weinbaubetriebe, die wir an diesem Tag kennen lernen wollen. Karl-Ernst Schmitt übernimmt die Organisation dieser Tagestour. (Busfahrt).

 

Bei schon traditionell gutem Wetter fuhren die Weingeschwister der Weinbruderschaft Heilbronn e.V. am 15.06.2019 nach Untertürkheim wo nicht nur exklusive Autos, sondern - wie wir im Laufe der Exkursion erfuhren - auch ebensolche Weine ihren Ursprung haben.

Pünktlich kurz vor 10 Uhr kamen wir im mediterranen Innenhof des VDP-Weinguts Hans Peter Wöhrwag an und wurden dort vom Chef und dessen Frau persönlich begrüßt. Beide haben das elterliche Weingut in den 1990er Jahren übernommen mit dem Vorsatz, „keine Weine machen zu wollen, die nur den Leuten schmecken, sondern Besonderheiten herauszuarbeiten“. Dies wird auch durch den trockenen Ausbau aller Weine begünstigt. Als Begrüßungsschluck verkosteten wir einen Sekt Grosse Cuvée 2010, der in einem 10 Jahre andauernden Projekt zusammen mit Gert Aldinger aus Weißburgunder gekeltert wurde, im 500 l – Holzfass und dann 8 Jahre auf der Hefe lagerte und dessen feinfruchtige Eleganz und Perlage die in der Champagne gesammelten Erfahrungen von Hans-Peter Wöhrwag offenbarten. Mit 20 ha Reben im Untertürkheimer Herzogenberg ist Wöhrwag als „Rieslingweingut“ natürlich prädestiniert, es wachsen dort aber auch sehr gute Rotweine. So verglichen wir als 2018er Rieslinge den rassigen Gutswein Goldkapsel trocken, mit dem das Weingut bekannt wurde und den komplexen Riesling Mineral trocken erste Lage; beide Weine hätte man blind verkostet nicht in Württemberg verortet. Als „Wein für den Klimawandel“ bezeichnet Wöhrwag den Sauvignon blanc trocken, dessen 2018er erste Lage ein Mittelweg zwischen grünen und gelben Aromen ist, ein frischer Sommerterrassenwein. Finessenreich und schlank präsentierte sich der 2017er Weissburgunder GG trocken große Lage, dessen Holzfassaromen schon jetzt harmonisch eingebunden sind.

Die Rotweine des Weinguts werden alle lange und bei warmen Temperaturen maischevergoren um die Tannine herauszuarbeiten. So präsentierten sich der 2017er Lemberger und Merlot trocken vom Untertürkheimer Herzogenberg erste Lage als extraktreiche, und kompromisslos trockene Weine, der Lemberger mit Aromen von Cassis, der Merlot mit Mandel- und Kirscharomen, keine langweiligen Konsumweine, sondern Weine, die sich über die Zeit entwickeln. Quintessenz dieser Philosophie war die 2017er X Fassprobe aus den Bordeauxrebsorten Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet franc, die zum jetzigen Zeitpunkt nur erahnen ließ, was sich daraus einmal entwickeln soll.

Bei schwäbischen Spezialitäten nahmen wir das Mittagessen in der Traditonsgaststätte „Ochsen“ in Uhlbach im Garten unter Kastanienbäumen ein, bevor wir zur Weinmanufaktur Untertürkheim weiterfuhren.

Dort erwartete uns schon Edwin Haas im Sektkeller, einem Luftschutzbunker der Stadt Stuttgart 50 m unter der Erde mit einem Glas spritzig-fruchtigem 2017er Kernersekt trocken. Die WG wurde 1887 gegründet und hat bei einer Fläche von 95 ha 41 Mitglieder und in 15 Jahren fünfmal den Deutschen Rotweinpreis gewonnen. Im Kellereigebäude ging es dann vorbei an mit Graffiti bemalten Stahltanks in den aus dem Jahre 1902 datierenden Kreuzgewölbekeller, wo zahlreiche repräsentative Holzfässer lagern und wir einen tiefroten, im Holzfass gereiften 2017er Trollinger *** trocken genossen. Die Sterneklassifizierung der WG richtet sich nach der Ertragsmenge: 1 Stern entspricht 100 l/ar, 2 Sterne 80 l/ar, 3 Sterne 50 l/ar. Im Probenraum angekommen, erwartete uns ein blumig feiner 2017er Riesling* trocken. Der Mönch Berthold wusste bereits im Jahre 1155, dass die Gegend um Türkheim für den Weinanbau ideal ist und nach ihm sind die Renommiercuvées der WG benannt. Die 2017er Mönch Berthold ** trocken Weißweincuvée im Holzfass gereift aus Riesling und Kerner ist eine harmonische, ausgeglichene Cuvée, Trinkgenuss garantiert. Einer der wenigen vom Restzucker geprägten Weine war der 2017er Spätburgunder Weißherbst * feinherb, der auf Junggesellinnenabschiedsfeiern in Strömen fließt – für Weingeschwister wenig nachvollziehbar. Offen maischevergoren und ausgebaut im großen Holzfass präsentierte sich der 2017er Lemberger ** trocken als gut gemachter Rotwein aus der Region. Dass man auch internationalen Standards gerecht werden kann, beweist der 2015er Cuvée Concilium *** trocken, der aus Merlot, Cabernet franc und Cabernet cubin vom Manufakturrat der Kellermeister kreiert wurde und einen körperreichen Rotwein mit viel Opulenz und Kraft ergibt. Unter diesem Eindruck fand unser Moderator auch das richtige Schlusswort: „Der liebe Gott hat nicht gewollt, dass guter Wein verdirbt, drum hat er mit den Reben den Durst uns mitgegeben“.

Ganz herzlichen Dank an unsere Probenleiter Klaus-Peter Wöhrwag und an Edwin Haas für die kompetente und eloquente Leitung der Proben und die Offenheit für all unsere Fragen sowie an Karl-Ernst Schmitt für die Organisation der Exkursion nach Untertürkheim, wo nicht nur die Sterne exquisiter Automarken sondern auch exquisiter Weine glänzen.

Regina Brendle, Juli 2019

nach oben