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DATUM: Friday, 20.09.2019,  19:30 Uhr
ORT: Heinrich-Fries-Haus

"Die "VDP-Pyramide" oder: Sind die VDP-Qualitätsstufen schmeckbar?"

Die von Weinbruder Andreas Leonhardt geleitete Blindprobe verspricht Lebhaftigkeit und sicher einige Überraschungen. Wir dürfen sehr gespannt sein!

 

Rechtzeitig zu Beginn eines jetzt schon vielversprechenden Weinherbstes präsentierte Andreas Leonhardt den Mitgliedern und Gästen der Weinbruderschaft Heilbronn e.V. am 20.09.2019 den VDP, dessen Philosophie und Klassifikationen und ließ uns die Weine – zum Teil als „Blindverkostung“ – erschmecken.

Der VDP, so Leonhardt, ist ein Verband von „200 weinverrückten Weinindividualisten“, bei dem man nur auf Empfehlung und unter bestimmten betrieblichen und individuellen Voraussetzungen Mitglied werden kann. Seine einführenden Worte wurden begleitet von einem fruchtig-prickelnden roten Pinot Sekt brut des ortsansässigen VDP-Weinguts Drautz-Able, einer Neukreation aus Spätburgunder mit feinen Beerenaromen. Bei der Klassifikation werden 4 Qualitätsstufen unterschieden: Gutswein – der Einstieg in die Stilistik und Visitenkarte des Winzers; Ortswein – Wein aus den besten Lagen des Ortes; Erste Lage – Wein aus erstklassigen Lagen, stark mengenreduziert; Grosse Lage – große Herkünfte, die über Jahrzehnte partiell abgegrenzt sind und einem Ertrag von maximal 50 hl/ha.

Doch grau ist alle Theorie und so wurde das erlernte Wissen zunächst in einer „offenen“ Probe angewendet. Vier Rieslinge aus den einzelnen Qualitätsstufen des VDP-Weinguts Christmann standen nun vor uns: der 2018er Gutswein, frisch und trocken, der 2018er Ortswein, dessen Trauben ausschließlich aus Gimmeldingen kommen dürfen, der 2018er Riesling Erste Lage aus dem Gimmeldinger Bienengarten, bereits dichter und runder und der 2017er Riesling Großes Gewächs aus der Toplage „Idig“; ein sehr harmonischer Wein, mineralisch mit Aromen weißer und gelber Früchte und schöner Reife – ein „Leitbildriesling“.

Nachdem der „Ankerreiz“ nun festgelegt war, dienten die nächsten beiden Probenfolgen der Umsetzung des soeben Erschmeckten und waren in Blindverkostung. Drei Gläser wurden mit Weißwein des VDP-Weinguts Horst Sauer gefüllt und das „Spiel“ begann: Die Rebsorte „Silvaner“ wurde gleich erkannt und in allgemeinen Diskussionen auch die einzelnen Lagen erraten: mit Frische animierte der 2018er Ortswein zu weiterem Genuss, balancieter und reifer wirkte der 2018er Silvaner S Escherndorfer Lump erste Lage und der 2017er Silvaner S Escherndorf am Lumpen 1655 Großes Gewächs überzeugte mit wunderbarer Reife und Mirabellenaromen. So wurde die Philosophie des Winzers Horst Sauer – nämlich Weine zu machen, die Geschichten erzählen – auch in der Praxis erlebbar.

Schwieriger wurde es bei den Rotweinen: es gab 3 Rotweine des VDP-Weinguts Ellwanger. Die Rebsorte Lemberger war aufgrund der Fruchtaromen gut erkennbar, doch die Abgrenzung des 2017er Hebsack Lemberger VDP Ortsweins vom 2017er Hebsacker Lichtenberg Erste Lage war nicht ganz einfach, zumal da beide sehr fruchtig waren. Eindeutiger war die Identifikation des 2016er Hebsacker Berg Lemberger Großes Gewächs aufgrund der Holz- und noch tieferen Fruchtaromen.

Als „Belohnung“ gab es noch einen Riesling Gutswein und eine Riesling Erste Lage des VDP-Weinguts Battenfeld-Spanier, beide sehr mineralisch aber von hoher, überzeugender Qualität. Die VDP-Weingüter Battenfeld-Spanier und Kühling-Gillot sind ehelich verbunden und streben önologisch an die Weltspitze, was auch durchaus schmeckbar ist.

Fazit: VDP-Weine sind immer ein Qualitäts- aber auch ein Preisgarant und repräsentieren die Weine deutscher Spitzenlagen, deren Klassifikation eine Hilfestellung für Kaufentscheidungen ist. Doch es gibt Lagen rechts und links davon, die ebenfalls entdeckt werden wollen. Die Blindverkostung hat heute Abend entscheidend zur Beantwortung der Frage beigetragen, ob die sensorische Wahrnehmung des Weines den Preis rechtfertigt – das muss jede/r für sich entscheiden.

Ganz herzlichen Dank an Andreas Leonhardt für die umfangreiche Vorbereitung und höchst kompetente Präsentation des komplexen Themas, das unseren Weinhorizont wieder erweitert hat, an Wolfgang Heinrich für die elegante Dekoration des Saales und die aufwändige Vorbereitung der Weine und an alle, die zum Gelingen der Probe beigetragen haben.

Regina Brendle, September 2019

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