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DATUM: Friday, 15.11.2019,  19:30 Uhr
ORT: Heinrich-Fries-Haus

"Blindprobe mit dem Thema: Ist das eine „Cuvée im Glas?“"

Wir wollen unsere sensorischen Fähigkeiten ein weiteres Mal mit Cuvée-Weinen, die Dr. Hartmut Clemens ausgesucht hat, auf den Prüfstand stellen.

 

In Fortführung des Jahresthemas Cuvée unterzog Hartmut Clemens die Weingeschwister und Gäste der Weinbruderschaft Heilbronn e.V. am 15.11.2019 einem Test: „Cuvée oder nicht Cuvée?“, das war die Frage hier. Bereits in seinen einführenden Worten hatte Bruderschaftsmeister Karl-Ernst Schmitt auf die Schwierigkeiten, aber auch den Lerneffekt einer Blindverkostung hingewiesen und so sollten wir einen lehrreichen, spannenden und genussvollen, aber auch arbeitsreichen Abend erleben.

Zur Begrüßung und um den Gaumen aufzuwecken gab es einen Perlage Blanc Sekt extra brut des Wein- und Sektguts Hirschmüller aus Lauffen am Neckar, währenddessen wurde die Probensystematik erklärt und dann ging es „in medias res“. Zwei Weißweine wurden ausgeschenkt, als Tipp erfuhren wir, dass die reine Sorte älter ist als die Cuvée bei gleichem Weingut und deutsch; somit entlarvte man den goldgelben, intensiveren Wein als Burgunder; es war der 2015er Weißburgunder GG des Staatsweinguts Freiburg und den leichteren, duftigeren als Cuvée: 2018er Cuvée Pinot Magma aus Weiß- und Grauburgunder, für die von 14 Winzern das beste Lesegut gekeltert wird. Nächster Weißweindurchgang: bei unterschiedlichen Weingütern war die reine Sorte nicht deutsch und älter, was sich fast eindeutig im 2015er Chardonnay Chablis von Etienne Danteuille in Holz-, Eukalyptus- und Kräuteraromen zeigte und ihn deutlich von der leichteren Chardonnay-Weißburgunder-Grauburgunder 2017er Cuvée „Ganz Weiss“ des Weinguts Gies-Düppel unterschied. Schwierig war der letzte Weißweinvergleich: bei verschiedenen Jahrgängen war die reine Sorte älter und deutsch und als unfriltrierter 2015er Riesling GG aus dem Holzfass des Weinguts Kistenmacher-Hengerer schwer identifiziertbar; noch schwieriger war der sehr komplexe 2017er Monte del Frau Ca del Magro – Anniversario – einzuordnen, Rebsorten wie Garganegra und Trebbiano sind eben hierzulande nicht gängig.

33 Rebsorten, so erfuhren wir, werden für Cuvées verwendet, das sind 50% aller Rebsorten und nun sollten wir unser Glück beim Erraten der Rotweine probieren: Bei gleichem Jahrgang, gleichem Land und unterschiedlichem Weingut nahmen wir Beeren- und Holzaromen wahr – der von Hartmut Clemens selbst ausgebaute Lemberger bewies seine Reinsortigkeit durch intensive Frucht, die im 2015er Cyrie des Weinguts Leiss durch Cabernetsorten, Merlot und Holzlagerung die Cuvée charakterisierten. Nach so viel Arbeit gönnte man uns eine hochwertige und wohlverdiente Pause: Beim 2013er Schwaigerner Ruthe Lemberger GG des Grafen Neipperg konnte man sich über die gekonnte Reinsortigkeit, die diesem Weingut auch den 2. Deutschen Rotweinpreis bescherte, freuen. Die nächsten „Flights“ waren jedoch eine Herausforderung für die Sensorik: Bei unterschiedlichen Betrieben und Jahrgängen waren beide Weine deutscher Herkunft. Unterschiedliche Düfte nach Beeren, Holz, Rauchfleisch, aber auch „Verdünnung“ führten uns an der Nase herum bis sich herausstellte, es war die 2017er Cuvée aus Syrah und Cabernet Cubin Gans Gross des Weinguts Gies-Düppel und der 2011er Syrah des Weinguts Fritz Funk, der nach allgemeiner Überzeugung und Erfahrung sehr untypisch war. Nächster Versuch: unterschiedliche Weine, einer davon nicht deutsch – fragende Blick: ist der eine Wein überhaupt noch trinkbar? Duft nach Schwefelwasserstoffverbindung? Der andere wirkte fruchtig, rund – Ratlosigkeit! Auflösung: die Cuvée war der 2016er Dreizehn Rotweincuvée des Weinguts Hirschmüller, die Spätburgunder, Pinot Meunier und Lemberger enthält, reinsortig war der 2010er Domaine Bernard Delagrange Volnay 1er Cru, der seinen Zenit schon längst überschritten hatte. Letzter Versuch: beide Weine waren nicht deutsch, von unterschiedlichem Jahrgang und Weingut, tiefrot und intensiv. Gekonnt gemacht aus Tradition war der 2011er Château Angludet Cru Bourgeois Margaux, die Bordeauxcuvée aus 50 % Cabernet Sauvignon, 40 % Merlot und 10 % Petit Verdot, währendhingegen der 2015er Petit Verdot Piramimma aus McLaren Vale in Südaustralien als solcher sensorisch kaum einzuordnen war.

Eine spannende Blindprobe hatte unser aller Gaumen auf eine Achterbahnfahrt der Irrungen und Wirrungen geschickt, so manche/r wurde sich wieder des „Status quo“ seines Weinwissens bewusst und auf den Boden der Wirklichkeit zurückgeholt – es hat Spaß gemacht und wir haben viel gelernt. Ganz herzlichen Dank für die sehr aufwändige Vorbereitung, Zusammenstellung der Weine und Präsentation an Hartmut Clemens und seine Frau Manuela. Dank auch an Herbert Kern für die Besorgung des Brotes, an Thomas Drachler und Wolfgang Heinrich für den Service um den Wein und an Wolfgang Heinrich für die stilvoll elegante, herbstliche Dekoration der Tische.

Regina Brendle, November 2019

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