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DATUM: Wednesday, 19.10.2005,  19:30 Uhr
ORT: St. Peter + Paul

"Südmähren und Slowenien"

Unsere ersten Erfahrungen mit dem Wein zweier junger EU-Mitgliedsstaaten.
Lassen wir uns überraschen!

 

 

Südmähren und Slowenien

Am 19. Oktober 2005 wurden in der Weinbruderschaft Heilbronn e.V. Weine aus zwei bisher noch unbekannteren Regionen zur Verkostung gebracht: Südmähren und Slowenien. Beide Anbaugebiete haben in letzter Zeit vom Zufluss von EU-Mitteln profitiert und ihre Weine auch verbessert.
Die slowenischen Weine entsprechen, so führte Bruderschaftskanzler Bernd Rathke aus, den Weinen des Collio, wie sie vor ca. 15 Jahren schmeckten. Es gibt noch keinen großen internationalen Produzenten und man beschränkt sich auf autochthone Rebsorten. Als erste dieser Sorten probierte man die 2001er  „Rebula“ aus 37 Jahre alten Reben des Weinguts Movia, einem 4-Sterne-Weingut, deren Duft sehr mineralisch war, der Abgang doch recht kurz. Bei der Rebsorte Sipon soll Napoleon selbst Taufpate gewesen sein, die Bezeichnung kommt von „si bon“. Der 2003er Sipon des Weinguts Dveri Pax schmeckt nach reifen Birnen, ist ein puristischer Wein und wird kräftige Speisen vertragen. Die 2000er Rebula des Weinguts Movia kostet in den USA 24 Dollar, ist ein kräuteriger Wein mit feiner barriquegewürzter Nase, von dem zwei Drittel im neuen Barrique, ein Drittel in der slowenischen Eiche ausgebaut werden. Cotar Malvazija ist die istrische Malvasierrebe, beim Wein des Weinguts Cotar aus dem Jahrgang 2002 duftet sie nach reifen Birnen und grünem Pfirsich, weist aber auch mostige Töne auf. Die Weine des Weinguts Brda hatten schon am Wiener Hof einen sehr guten Ruf und das Friaul war schon immer eine für Weisswein prädestinierte Gegend. So ist der 2001er Bjana Furlanski Tokaj, der zu 75 % im Holzfass ausgebaut wurde ein kräftiger, harmonischer Weisswein, der ideal zur Küche des Mittelmeers passt. Eine weitere Variation des Tokaj, der 2002er Furlanski Tokaj vom Weingut Brda ist verhaltener im Holz, aber sehr harmonisch und rund.
Der zweite Teil der Probe war den Weinen aus Südmähren gewidmet und wurde von Bruderschaftsmeister Karl-Ernst Schmitt besprochen. Südmähren hat eine lange Weinanbautradition, der Pinot Noir wurde von Karl IV schon im 8. Jahrhundert dorthin gebracht. Derzeit stehen 13.000 ha Anbaufläche zur Verfügung, Ziel ist eine Erhöhung auf 15.000 ha. 50 % des Weinkonsums wird importiert. Bei einem Durchschnittsverdienst von 500 – 600 € für einen Arbeiter sind Weine zu Preisen für 8 € ein teures Konsumgut. Das Weinrecht basiert auf österreichischem Weinrecht und das staatliche Sortenbuch schreibt vor, was angebaut werden darf.
Das Weingut Bavory/Tanzberg ist ein Vorzeigeweingut in Südmähren dessen Weinberge auf 300 – 350 m Höhe liegen und dessen 2004er Sauvignon blanc sehr sortentypisch mit Duft und Geschmack nach Stachelbeeren und Holunder beeindruckt. Etwas leichter dagegen wirkte der 2000er Weißburgunder des Weinguts Musilovi. Durch feine reife Fruchtaromen überzeugte die 2000er Riesling Auslese des Weinguts Bavory, die mit „sehr gut“ bewertet wurde. Bei einem Ertrag von  45 hl/ha stimmt hier auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Erster Rotwein aus Südmähren war der 2003er Stara hora St. Laurent ros?, ein frischer Sommerwein mit leichten Erdbeertönen und zum Preis von 5 € ein echtes Schnäppchen. Die während der KuK-Zeit am meisten angebaute rote Rebsorte ist der blaue Portugieser, der nach 14 Tagen Maischestandzeit und Ausbau im großen Holzfass im Weingut Bavory einen harmonischen Wein des Jahrgangs 2004 ergibt. Der Salonwein 2003 und 2004 ist der 2000er Blaufränkisch Qualitätswein des Weinguts Musilovi, mit reifen Beerentönen, jedoch etwas knappem Körper und kurzem Abgang. Die 2000er Zweigelt Spätlese aus dem selben Weingut errang die Silbermedaille im „Vinoforum Valtice 2003“ und ist ein extraktreicher, angenehmer Wein mit Tabak- und Ledertönen – der beste Rotwein des Abends. Zum Abschluss kam eine 2002er St. Laurent Spätlese ebenfalls von Musilovi zur Verkostung, ausgebaut im großen Holzfass und neuen Barrique, daher von dezentem Holzton, kräuterig und sollte daher noch etwas im Keller liegen.
Abschließend kann man feststellen, dass die Weine aus Slowenien und Südmähren noch nicht dem hohen Erwartungshorizont verwöhnter Kennergaumen entsprechen können und noch keine international großen Weine aus diesen Regionen kommen, wobei die südmährischen Weine im Durchschnitt jedoch deutlich höher bewertet wurden. Betrachtet man jedoch das Preis-Leistungs-Verhältnis, so kann man sich sicher mit dem einen oder anderen Tropfen anfreunden. Besonderer Dank gilt den Herren Rathke und Schmitt für die minutiöse Vorbereitung der Probe und die umfassenden Informationen.
Regina Brendle, Oktober 2005

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