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DATUM: Wednesday, 20.04.2005,  19:30 Uhr
ORT: St. Peter + Paul Gemeindehaus, Heilbronn

"Große Gewächse Württemberg Jahrgang 2003 (Weißweine)"

Halten die Weißweine dieses Ausnahmejahrganges das, was man von ihnen erwartet hat ? Wir wollen dieser Frage in der Probe, die von Herrn Hermann Schneider kommentiert wird, nachgehen.

 

Probenkommentar "Große Weißweine Württemberg 2003

thumb_106_0640.jpgZu Beginn ging Probenleiter Hermann Schneider, Winzer, einer alteingesessenen Heilbronner Weingärtnerfamilie und langjähriger Vorstandsvorsitzender der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg, nochmals auf die klimatischen Besonderheiten dieses außergewöhnlichen Jahrganges 2003 ein.

Die Witterung hatte ein "gemäßigtes" in ein " mediterranes" Württemberg verwandelt. Die Traubenblüte war um den 10. Juni abgeschlossen (2 Wochen früher) und die Weinlese etwa 4 Wochen früher als üblich bereits um den 10. Oktober beendet. Die erzielten Mostgewichte lagen bei überwiegend mehr als 100° Ö deutlich über den bisherigen Mittelwerten, die Erntemengen jedoch etwa ein Drittel unter den üblichen Jahreserträgen.

thumb_106_0643.jpgNoch stärker als die Trockenheit (z.B. Regenmenge im Juni 12 l/qm anstatt 83 l/qm und im September nur 15 l/qm) haben die hohen Tagestemperaturen (im Juni an 13 Tagen über 30°C , im August an 11 Tagen ununterbrochen Tageswerte über 35°C und Spitzenwerte um die 39°C, die Durchschnittstemperaturen lagen in den Sommermonaten etwa 5°C über den Normalwerten) und die enorme Sonneneinstrahlung ( z.B. im September keinen Tag ohne Sonnenschein) den Weincharakter dieses Jahrgangs geprägt.
Wohl dem Winzer, der sich zu einer frühen Lese der weißen Traubensorten entschieden und seine Rotweintrauben vor Einsetzen des großen Regens im Oktober ( 102 l/qm ! ) eingebracht hatte !

thumb_106_0650.jpgDiese Witterung war sicherlich den Rotweinsorten wesentlich zuträglicher. Mancherorts lassen einige Weißweine die sonst typische Eleganz vermissen, zeigen "breite" Fruchtaromen und infolge zu hoher Alkoholwerte Bitterkeit, intensive Estertöne im Abgang. Fehlende Eigensäure durfte erstmals in Württemberg durch Anreicherung mit Weinsäure ausgeglichen werden.
Der Frage, wie namhafte Erzeuger aus Württemberg diesen Ausnahmejahrgang 2003 bei ihren Weißweinen in den Griff bekommen haben, wollten wir in folgender Probe nachgehen:

 

1) Gewürztraminer Auslese trocken

Weingut Albrecht-Kiessling, Heilbronn

2) Riesling "St. Kilian"

Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg

3) "Untertürkheimer Herzogenberg" Riesling Spätl. tr. "Großes Gewächs"

Weingut Wöhrwag, Stuttg.-Untertürkheim

4) "Weinsberger Schemelsberg" Riesling Spätl. tr., "Großes Gewächs"

Staatsweingut Weinsberg

5) "Kleinbottwarer Süßmund" Riesling Spätl. tr., "Großes Gewächs"

Weingut Graf Adelmann, Kleinbottwar

6) Riesling "Katharina", trocken

Weingärtnergenossenschaft Rotenberg, Stuttgart

7) "Hohenbeilsteiner Schlosswengert" Riesling Spätl. tr., "Großes Gewächs"

Schlossgut Hohenbeilstein

8) "Stettener Pulvermächer" Riesling Spätl. tr., "Großes Gewächs"

Weingut Karl Haidle, Kernen-Stetten

9) "Fellbacher Lämmler" Riesling Spätl. tr.***, "Großes Gewächs"

Weingut Gerd Aldinger, Fellbach

10) "Fellbacher Lämmler" Riesling Spätl. tr.***,

Weingut Rainer Schnaitmann, Fellbach

11) "Schnaiter Altenberg" Riesling Spätl., "Großes Gewächs"

Weingut J. Ellwanger, Winterbach

12) "Gellmersbacher Dezberg" Riesling feinherb,

Weingut G. Leiss, Gellmersbach

13) Kerner Auslese

Weingut Wachtstetter, Pfaffenhofen

14) "Heilbronner Wartberg" Gelber Muskateller Auslese,

Weingut Kistenmacher-Hengerer, Heilbronn


Fazit der Probe:

Unter den vorgestellten Weinen befand sich kein negativer Ausreißer! Die hier vertretenen Erzeuger haben unserer Meinung nach das "Ausnahmejahr 2003" in der überwiegenden Mehrzahl sehr gut gemeistert. Die Durchschnittsbewertung erreichte mit 84,2 Punkten fast ein "Sehr gut", die Einzelbewertungen lagen zwischen 80,1 Punkten ("gut") und 91,1 Punkten ("hervorragend"). Kompliment für diese Leistungen!

In der folgenden Diskussion war sich die Mehrzahl der Probenteilnehmer jedoch darin einig, "dass man die Weißweine dieses Jahrgangs eher früher trinken anstatt lange lagern sollte" – wobei es auch vom Jahrgang 2003 so manche bemerkenswerte Ausnahme gibt.

(KES)

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