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DATUM: Wednesday, 13.12.2006,  19:30
ORT: St. Peter + Paul

"Der Beaujolais"

Jahrelang als der Billigwein Frankreichs deklassiert, möchte uns Weinbruder Holger Schmidtchen aufzeigen, welches Potential der Wein und diese Region haben.

 

Die letzte Weinprobe des Probenjahres 2006 der Weinbruderschaft Heilbronn am 13.12. 2006 war dem Thema "Beaujolais" gewidmet. Die Konvetualen Dr. Christina Jacob und Holger Schmidtchen moderierten diese Veranstaltung. Der Beaujolais ist vor allem als Primeur, der ab dem dritten Donnerstag im November in den Handel kommt bekannt, doch dass dieses Anbaugebiet auch mit anderen Qualitätsstufen aufwarten kann, sollte dieser Probenabend zeigen.

Das Gebiet des Beaujolais gehört verwaltungstechnisch zum Burgund, hat 22.500 ha Anbaufläche, 3.600 Winzer in 100 Gemeinden und erzeugt werden jährlich ca. 170 Mio. Flaschen Wein. Der "Einstiegswein", ein 2004er "Beaujolais Emeringues" aus Julienas war ein typischer Vertreter seines Anbaugebietes, recht fruchtig aber mit wenig Körper, durchaus vergleichbar mit dem folgenden 2005er "Saint Amour" der Domaine de la Cave Lamartine. Etwas kerniger und fruchtiger dagegen war der 2005er "Saint Amour", Domaine de Gry-Sablon, dessen Geschmack an schwarze Kirschen erinnerte.

Damit man sich eine bessere Vorstellung von Land und Leuten machen konnte, las Dr. Christina Jacob Abschnitte aus dem berühmten Roman "Clochemerle" von Gabriel Chevalier vor.

Die Weine aus Fleurie haben etwas Blumiges, und so duftete der 2004er "Fleurie der Domaine Montangeron" nach Veilchen, im Geschmack erinnerte er an rote Früchte. Der 2001er "Fleurie Vieilles Vignes" hatte deutliche Reifetöne, wirkte bereits leicht "ausgezehrt".

Die Problematik des Weinabverkaufs im Beaujolais ist nicht neu: 2004 blieben 200.000 hl unverkauft, 2001 wurden 100.000 hl versprittet, und schon 1904 kostete 1 Fass Beaujolais 5 FF ab Bahnhof Paris.

Ein weiterer Beaujolais aus Fleurie war der 2004er "Chiroubles der Domaine Montangeron", mit dichtem Abgang ein sehr ordentlicher Wein ebenso wie der 2003er "Régnié Vieilles Vignes" der Domaine de Thulon aus kontrolliertem Anbau.

Die Côte de Brouilly umfasst insgesamt 320 ha. Aus dieser Region stammten der 2004er "Côte de Brouilly" des Château de Briante und der "Brouilly 2004" des Château de la Chaize , die beide durch Dichte und Würze überraschten, wie der 2004er "Juliénas" der Domaine de la Cave Lamartine dessen natürliches Tannin dem Wein Dichte und Harmonie verlieh, die man bei Beaujolais wohl kaum erwartet hätte. Ganz anders dagegen der 2004er "Chenas" der Domaine Combe Remont – reinster grüner Paprika in Duft und Geschmack und straffe Säure! Aus Morgon stammten der "2004er Beaujolais" von Patrick Bouland und der "2004er Beaujolais" der Domaine de Gry-Sablon. Beide Weine waren rund und weich im Geschmack, der Wein aus "Gry-Sablon" im Barrique ausgebaut von langem Abgang. Die letzten beiden Beaujolais des Abends aus Moulin-à-Vent, ein 2002er der Domaine de Chenepierre und ein 2003er derselben Domaine , dicht und körperreich mit mineralischen Noten und langer Präsenz am Gaumen. – Hoher Trinkgenuss aus dem Beaujolais!

Am Ende einer sehr interessanten Probe konnte man resümieren, dass Beaujolais unbeschwerte Trinkfreude bieten, die durchaus anspruchsvoll sein kann. Besonderer Dank an Dr. Christina Jacob und Holger Schmidtchen für die sehr informative und unterhaltsame Probenmoderation.

RB / KES

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