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DATUM: Wednesday, 12.12.2007,  19:30 Uhr
ORT: St. Peter + Paul

"Quo vadis Württemberg?"

Diese Thematik verspricht einen spannenden Diskussionsabend mit Prof. Dr. Ruth Fleuchaus, Inhaberin des Lehrstuhls für Weinbetriebswirtschaft an der Hochschule Heilbronn.

 

"Quo vadis Württemberg?"
Eine Veranstaltung der Weinbruderschaft Heilbronn e.V. mit Prof. Dr. Ruth Fleuchaus am 12.12.2007

Der letzte Probenabend im Veranstaltungsjahr der Weinbruderschaft Heilbronn e.V. galt einem ebenso interessanten wie brisanten Thema: Quo vadis Württemberg? moderiert von Frau Prof. Dr. Ruth Fleuchaus, Preisträgerin des Landeslehrpreises Baden-Württemberg. Regina Laimbach, Studentin an der FH,  stellte dabei auch Fachhochschulweine vor, die seit Dezember 2005 von in genossenschaftlicher Form organisierten Studenten produziert werden und von deren Verkaufserlös jeweils 1,-- € pro Flasche an die Kindertagesstätte der Fachhochschule Heilbronn geht. Im Vergleich dazu kamen die Weine des Staatsweingutes Weinsberg zur Verkostung. Der zuerst präsentierte Wein, die 2005er „Weißweincuvée trocken“ der FH  ist bereits ausverkauft, wies jedoch schon deutliche Alterungstöne auf. Im Vergleich dazu wirkte die 2006er Weißweincuvée „Du und Ich“ des Staatsweinguts noch jung, spritzig und erfrischend.

Der Weinmarkt ist nicht losgelöst vom Gesamtmarkt zu sehen, so begann Frau Dr. Fleuchaus ihren Vortrag, auch hier steigt die Discount-Orientierung. 51 % der Konsumenten kaufen überwiegend beim Discounter ein, davon wird 65 % des Bedarfs gedeckt. 62,7 % der deutschen Haushalte kaufen Wein. Frisch und jugendlich wirkte der 2006er „Spätburgunder blanc de noir“der FH Heilbronn, saftig und voll feinem Schmelz der 2006er „Weißburgunder, trocken“ des Staatsweinguts Weinsberg.
Bezüglich der Preise wird in Deutschland für Rotwein durchschnittlich € 1,92, für Weißwein € 1,62 und für Roséwein € 1,51 bezahlt. Der entscheidende Fehler, so Dr. Fleuchaus, bestehe darin, in Deutschland Weine zu produzieren, die international austauschbar sind und einen sehr hohen Alkoholgehalt aufweisen. Der 2006er „Justinus K“ des Staatsweinguts Weinsberg ist ein recht alkoholischer Wein, aber sehr angenehm in der Nase und im Geschmack. Feiner, mit lebhafter Säure und Geschmack nach grünem Apfel mundete der 2006er „Riesling W“ trocken, ebenfalls vom Staatsweingut. Beim Discounter werden 83 % der Weine unter 2,-- € verkauft. Kaum ein Betrieb könnte davon leben.
Im Preisvergleich deutscher Anbaugebiete liegt Württemberger in der Spitzengruppe, so Fleuchaus.

Der 2005er „Spätburgunder trocken“ der FH Heilbronn war von dichter Nase und vollem Geschmack, ganz deutlich erkennbar beim Spätburgunder gleichen Jahrgangs des Staatsweinguts der Holzfasston, der dem Wein Nachhaltigkeit und Dichte verleiht. Erst vor einer Woche  war die „Rotweincuvée trocken“ der FH Heilbronn präsentiert worden, die sehr gut ankam. Die Rotweincuvée „Sie & Er“ trocken des Staatsweinguts Weinsberg beeindruckte durch Geschmack nach dunklen Beeren und fruchtiger Fülle.
Als Fazit stellte Dr. Fleuchaus folgende Thesen auf: Der Weinmarkt steht unter starkem Preisdruck. Es besteht eine stärkere Konzentration auf Lebensmitteleinzelhandel und Discounter, die traditionellen Einkaufsstätten verlieren zunehmend an Bedeutung. Beim Direktbezug von Wein ist eine deutliche Überalterung der Konsumenten zu beobachten, ebenso bei den Konsumenten von Württemberger Wein. Die Internationalisierung des Weins nimmt zu und der Kampf um den Kunden tobt. Die Produktionsorientierung muss zur Marktorientierung werden. Auf dem 5. Kontinent wird Wein nicht als Kulturgut gesehen, sondern als Ware, die mit einem möglichst hohen Profit verkauft werden soll. Weinmachen ist dort eine Geschäftsidee.
Die letzen beiden Weine, ein 2005er „Lemberger „S“ trocken des Staatsweinguts Weinsberg sowie der 2005er Burgunder „Talheimer Schlossberg“ Auslese trocken der Staatsdomäne Hohreinhof in Talheim beeindruckten beide als außergewöhnliche Weine von hoher Qualität, die der Forderung von Dr. Ruth Fleuchaus nach Spitzenbetrieben, die sich durch starkes eigenes Profil mit ihren Produkten und Dienstleistungen abheben, sicher genügen würden.

                                                                                                                            RB/KES
                                                                                                                             Dezember 2007

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